Editorial
Der Tod war schon dem jungen Mann auf den Fersen. Dem lebenshungrigen, neugierigen, lässigen Theaterwunderkind, das gerade in München mit einer Inszenierung von Edward Bonds «Die See» Furore gemacht hatte. Mitte zwanzig war Luc Bondy, als er die erste Krebsdiagnose bekam. Damals konnte er den Kampf mit der Krankheit für sich entscheiden, mit Medikamenten, verträumtem Trotz und einem melancholischen, die Endlichkeit der menschlichen Existenz reflektierenden Humor. Aber sie kam wieder, immer wieder. Ende November hat der Krebs ihn niedergestreckt.
«Leben? Oder Theater?» – in dem Titel des 800 Gouachen umfassenden Bildertagebuchs der Künstlerin Charlotte Salomon, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde, fand Bondy am Ende seiner über vier Jahrzehnte gespannten Zauberspielerkarriere auch die eigenen Leitfragen wieder. Freilich blieben die Sphären untrennbar, wundersam verzahnt. Kunst ohne gelebtes, geliebtes Leben – das war für diesen fragilen, sanftmütigen, scharfsichtigen Flaneur in den Passagen der Gefühle so undenkbar wie ein Leben ohne Kunst. Dass die Salzburger Festspiele im Sommer 2014 mit einer Oper von Marc-André Dalbavie und Barbara Honigmann an das grausame Schicksal der ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Wiebke Roloff & Albrecht Thiemann
Impressum
57. Jahrgang, Nr 1
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752285
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 07.12.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Hervé, mit bürgerlichem Namen Florimond Ronger, ist allenfalls Spezialisten der französischen Operette bekannt. Obwohl er schon 1847, sechs Jahre vor Offenbach, mit neuen Konzepten des komischen Musiktheaters experimentierte, hatten seine «mehrfach überdrehten» (Volker Klotz), bisweilen auch vulgären Grotesken auf Dauer keine Chance gegen die vielleicht weniger...
Nein, das Datum wollen wir mal nicht so ernst nehmen. «Das schlaue Füchslein», so wie es in Darmstadt drei Tage vor dem ersten Advent zur Premiere kam, ist kein putziges Weihnachtsmärchen. Es ist aber sehr wohl ein Abend mit Herz und Gemüt, einer, der handwerkliche Souveränität mit Versenkung in die Sache kombiniert. Man könnte auch sagen: einer, der Klarheit und...
