Mord am Altar

A. Scarlatti: Cain und Abel Potsdam / Friedenskriche

Opernwelt - Logo

Adams Söhne streiten um den rechten Weg, Gott zu gefallen. Der eine opfert Tiere aus seiner Herde, der andere Früchte seines Ackers. Das Ende kennen wir: Aus unerfindlichem Grund nimmt der Herr Abels Gaben an, während er Cains verschmäht. Was den Erstgeborenen zum ersten Mord der Menschheitsgeschichte treibt. Alessandro Scarlatti hat die alttestamentarische Geschichte 1707 in Venedig auf ein Libretto von Antonio Ottoboni vertont – als Oratorium, das freilich opernhafte Züge trägt. Es gibt keinen Erzähler und keinen Chor, alles hängt an den handelnden Figuren.

Jetzt war das Stück auf der Bühne zu erleben, zum ersten Mal seit 300 Jahren. Oder besser gesagt: rund um den Altar der Friedenskirche in Potsdam Sanssouci, wo Kammerakademie und Hans Otto Theater ihre «Winteroper» spielen, solange die historische Bühne im Neuen Palais saniert wird. Nach Händels «Jephtha» (2013) und Mozarts «Betulia liberata» (2014) gelang mit «Cain overo Il primo omicidio» (so der Originaltitel) erneut eine starke Produktion.

Regisseurin Andrea Moses, die im Oktober an der Berliner Staatsoper eine halbgare Arbeit über Wagners «Meistersinger» vorgestellt hatte, gelingt hier – den schmalen Ressourcen geschuldet ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Udo Badelt & Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Unheimlich, rauschfrei, brandaktuell

Als Richard Strauss’ Vertonung von Oscar Wildes Drama «Salome» 1905 uraufgeführt wurde, waren die Zeitgenossen schockiert. Marie Wittich, die erste Interpretin der Titelrolle, hat es zunächst abgelehnt, die Partie zu übernehmen, weil sie eine «anständige Frau» sei. Noch nie war Sexualität, waren die Männerfantasien des Weiblichen so unverhüllt auf der Opernbühne...

Das Wort singt

Nimmt man Charles Gounod beim Wort, war für die französischen Sänger die Klarheit der Aussprache wichtiger als die Qualität des Tons. «Die Aussprache muss klar, sauber, distinkt und exakt sein. Das bedeutet, dass sie dem Ohr in keinem Augenblick irgendeine Ungewissheit betreffs des ausgesprochenen Wortes bereitet. Sie muss ausdrucksvoll sein, und das meint, dass...

Wenn alle Schranken fallen

Mit Ihrer hochgelobten Lied-CD haben Sie viele überrascht. War das Projekt als Fingerzeig gedacht, nach dem Motto: Hallo, ich kann auch anderes?
Ein bisschen war das so. Als dramatischer Mezzo ist es nicht leicht, mit der kleinen Form Aufmerksamkeit zu erregen, weil man abgestempelt ist. Dabei bin ich eigentlich mit dem Lied groß geworden: Als mein Pianist Markus...