Editorial 8/22

Opernwelt - Logo

Alles schwarz, so schwarz wie meine Kleider. Alles schwarz, ich seh‘ nichts andres, leider.» So sang die bekanntlich aus ehemaligen Thomanern bestehende Band «Die Prinzen» auf ihrem schönen Album «Schweine» aus dem Jahr 1995. In dem Song geht es, anders als die Worte es intendieren, überhaupt nicht um irgendeine «Schwarzmalerei» oder um «Krise».

Doch wollen wir ja an dieser Stelle nicht immer der Verführung erliegen und – uns dabei sich selbst seiner hehren Bildungsbürgerlichkeit versichernd – einen Opernlibretto-Ausschnitt herauskramen, auf dass es irgendwie «passt», um gemeinsam die Misere zu beklagen. 

Freilich, momentan «passt» so einiges nicht – beziehungsweise passen bei vermutlich fast jeder Opernvorstellung noch Leute in den Zuschauerraum. Ja, Musiktheaterschaffende haben es gerade nicht leicht. Niemand singt gerne vor halbleerem Haus. Jede Opernsängerin, jeder Opernsänger kennt dieses Gefühl, diesen tastenden Blick ins Auditorium. Auch von der Bühne aus sieht man, ob die Vorstellung ausverkauft ist oder nicht. Und jeder einzelne leere Platz schmerzt ein wenig. Halbe Reihen, die leer bleiben, sind sogar wie ein kleiner Stich ins Herz. Mancher Zeitgenosse wird deswegen fast ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 8 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Arno Lücker

Weitere Beiträge
Tasten und Suchen

Im Grunde ist mit den ersten Worten das Wesentliche gesagt: «Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus.» Der Wanderer in Schuberts «Winterreise» auf die ingeniösen Verse Wilhelm Müllers weiß, wohin sein Weg ihn führt: in jenes Dunkel, aus dem er kommt, immer schon kam. Eine Lichtgestalt war er nie, wird es nicht mehr werden. Und wer noch daran zweifelte,...

Das monatliche Opern-Sonett: Salome

Des Straussen Richards Oscar-Wilde-Vertonung
Schrieb Erstgenannter kurz nach Fin de Siècle. 
Sie spielt in dem Herodes seiner Wohnung, 
Zur Bibelzeit, mit manchem Sex-Geschmäckle.

Herodes Tochter will kein Finger-Food! 
Nein, nein, sie will den Typen aus dem Keller. 
Doch der will nicht – sie krächzt vor Wut, will Blut.
Sie brüllt und sagt: «Okay, bringt einen...

Konkrete Utopie

Zugegeben, die Handlung verwirrt, schon allein die Fährnisse der weiblichen Hauptfigur machen schwindelig. Mag ihr Namenswechsel von Maria zu Amelia noch angehen, droht die Biografie der jungen Frau als Opfer eines Raubes, vertauschtes Findelkind, wiedergefundene Tochter Boccanegras und Enkelin seines patrizischen Erzfeindes Fiesco das Publikum zu überfordern. Und...