Sehnsucht nach Europa
Die Stimme der Stadtführerin steigt leicht und wirkt etwas ungehalten: «Der Balkan beginnt viel weiter unten. Wir hier haben immer zu Mitteleuropa gehört.» Klar, die Bemerkung aus der Reisegruppe war unpassend, wenn auch nicht untypisch: Sie hatte Zagreb schlicht dem Balkan zugeschlagen. Für solche geographisch-kulturelle Ignoranz hat man in Kroatien wenig Verständnis. Balkan, das meint hier vor allem den Kriegsgegner Serbien. Und die Stadtführerin erwähnt auch ohne Nachfrage, wo Granaten aus dem Süden eingeschlagen sind.
Im einstöckigen Barockpalast am Markusplatz etwa, einem Herzstück kroatischer Geschichte; im Alten Rathaus, wo einst das Stankovic-Theater untergebracht war und die erste kroatische Oper gespielt wurde; sogar im Ballettsaal des Nationaltheaters.
Die äußeren Spuren des Krieges sind zumindest in Zagrebs Zentrum beseitigt. Doch der Zustand vieler Fassaden spricht auch so eine deutliche Sprache. 1991 hat sich Kroatien als erstes Land aus der Konkursmasse Jugoslawiens für autonom erklärt. Kurz danach eskalierte die Spannung mit Belgrad. Der Privatisierungsprozess, zumeist vom Ausland diktiert, wurde in Kriegsturbulenzen und überstürztem Tempo durchgezogen. Extremes ...
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