Editorial

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Wien liebt, ehrt, achtet, pflegt seine große Musikvergangenheit. Sagt man. Liest man in Reiseführern. Gilt als communis opinio. Stimmt’s auch? Nach einer angemessenen Gedenkstätte für den wichtigsten aller Staatsoperndirektoren, für Gustav Mahler, kann man lange suchen. Eine mickrige Tafel an dem Haus, von dem aus er jahrelang zum Arbeitsplatz ging, um mit Alfred Roller den Komplex «Opernaufführung» völlig neu zu gestalten, ist doch ein bisschen wenig.

Die Restmöbel aus dem Nachlass von Brahms wurden ins Hinterzimmer des Haydn-Hauses ­verbannt, was Musikhistoriker als Augenzwinkern werten können, museumspädagogisch aber eine Katastrophe ist. Und die anderen, die bespielbaren Museen?
Dort, wo einst Schikaneder den Spielplan bestimmte, wo «Fidelio» und «Die Fledermaus» uraufgeführt wurden und in der Nachkriegszeit Josef Krips das legendäre Mo­zart-Ensemble polierte, da fristeten in den letzten Jahren «Cats» ihr normiertes Musical-Dasein und Sissy sollte im gleichen Genre für Großeinnahmen sorgen. Schluss damit. Wien hat seit kurzem ein drittes Opernhaus: Plácido Domingo dirigierte die Inaugurationsgala, Thomas Quasthoff sang die Leporello-Arie, Tzimon Barto spielte am Klavier die ...

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Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch

Vergriffen
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