Editorial
Wien liebt, ehrt, achtet, pflegt seine große Musikvergangenheit. Sagt man. Liest man in Reiseführern. Gilt als communis opinio. Stimmt’s auch? Nach einer angemessenen Gedenkstätte für den wichtigsten aller Staatsoperndirektoren, für Gustav Mahler, kann man lange suchen. Eine mickrige Tafel an dem Haus, von dem aus er jahrelang zum Arbeitsplatz ging, um mit Alfred Roller den Komplex «Opernaufführung» völlig neu zu gestalten, ist doch ein bisschen wenig.
Die Restmöbel aus dem Nachlass von Brahms wurden ins Hinterzimmer des Haydn-Hauses verbannt, was Musikhistoriker als Augenzwinkern werten können, museumspädagogisch aber eine Katastrophe ist. Und die anderen, die bespielbaren Museen?
Dort, wo einst Schikaneder den Spielplan bestimmte, wo «Fidelio» und «Die Fledermaus» uraufgeführt wurden und in der Nachkriegszeit Josef Krips das legendäre Mozart-Ensemble polierte, da fristeten in den letzten Jahren «Cats» ihr normiertes Musical-Dasein und Sissy sollte im gleichen Genre für Großeinnahmen sorgen. Schluss damit. Wien hat seit kurzem ein drittes Opernhaus: Plácido Domingo dirigierte die Inaugurationsgala, Thomas Quasthoff sang die Leporello-Arie, Tzimon Barto spielte am Klavier die ...
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Nach der Premiere hatte Staatsoperndirektor Ioan Holender auf die Frage, ob man denn in Wien konservativer sei als anderswo, einen schönen Satz mit Nestroy-Qualität geprägt: «Die Wiener sind durchaus fürs Neue. Nur ändern darf sich nix.» Da aber nun Regisseur Barrie Kosky einiges an den gewohnten Topoi in «Lohengrin» zu ändern suchte, schien die Wiener Opernseele...
Sein Glück bei den Frauen ist für Clyde Griffiths der Ruin. Roberta Alden, von ihm geschwängerte Unschuld vom Lande, zwingt ihm ein Eheversprechen ab. Derweil verliebt sich die Industriellentochter Sondra Finchley in ihn. Wem kämen da nicht Mordgedanken? Auf einsamem Waldsee rudernd, bringt Clyde es dann aber doch nicht fertig, seine Braut planmäßig in Ohnmacht zu...
Am Ende wird doch noch Hochzeit gefeiert. Nach Grausamkeiten und Intrigen, Eifersucht und Streit geht Antonio Vivaldis «Dramma per musica» «Tito Manlio» (RV 738) gut aus, ein plötzliches Happy End («lieto fine») beendet das Familiendrama. Dem Auftraggeber in Mantua, Philipp von Hessen-Darmstadt, war solches Glück allerdings nicht beschieden. Er hatte die Oper für...
