Echter Fund
Saverio Mercadantes 1850 entstandene Tragedia lirica «Virginia» stand schon lange auf der Wunschliste des Schatzsucher-Teams von Opera Rara: Die Auftrittsarie des Schurken Appio war bereits vor zwölf Jahren Teil eines Recitals, das der damalige Haustenor Bruce Ford für das englische Spezialisten-Label einspielte.
In der Aufnahme, die nun als dritte Mercadante-Gesamteinspielung des Labels (nach «Orazi e Curiazi» und «Emma d’Antiochia») vorliegt, hat diesen Part Paul Charles Clarke übernommen und legt ihn deutlich verschlagener an.
Seinem Appio glaubt man den intriganten Richter, der alles versucht, um die keusche Jungfrau Virginia in seine Gewalt zu bringen – zwischen schmalstimmig räsonierendem Kalkül und Begierde ist dieser Bösewicht die zentrale und auch interessanteste Gestalt von Mercadantes später Römertragödie. Ein Rollenporträt von Format.
Tatsächlich ist Mercadantes (wegen der Zensur) erst 1866 uraufgeführtes Spätwerk ein echter Fund: Der gut zweieinhalbstündige Dreiakter zeigt den Neapolitaner auf der Höhe des frühen Verdi. Das Problem der italienischen Oper dieser Epoche, Gesangsnummern in den dramatischen Kontext einzubinden, löst er durch die Verschmelzung der (insgesamt ...
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