Der ewige Schweinezyklus
Es ist schwer, der Versuchung zu widerstehen, den Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny als aktuellen Abgesang auf den Turbokapitalismus zu inszenieren. Zu gut passen die geschilderte Dekadenz, der gnadenlose Materialismus, die Dominanz des Geldes und der drohende Zusammenbruch zu den Schlagzeilen dieser Tage. Regisseur Thilo Reinhardt geht im Theater Trier einen anderen Weg. Er denkt das Stück von seinem Ende her, lässt das Abenteurertrio sein Profit-Center Mahagonny direkt auf die Müllhalde einer imaginären Vorgängerstadt bauen.
Aufstieg und Fall: ein endloser Schweinezyklus, mit ewigen Gewinnern und ewigen Verlierern.
Paul Zollers Bühnenbild zeigt einen Palast, vor dessen Toren sich der Abfall türmt und hinter dessen mächtigen Säulen ein billiges Festzelt-Ambiente auf unterhaltungswillige und zahlungskräftige Kunden wartet. Reinhardts düstere Bilder sind von einer drastischen Ironie, aber sie wahren Distanz zur Gegenwart. Und doch wird im Kopf des Betrachters deutlich, wie visionär Brecht und Weill mit ihrer Schilderung der Dekadenz gedacht haben – auch wenn das, was man für Geld kaufen konnte, vor siebzig Jahren noch nicht Komasaufen, Gang Bang, Dschungelcamp oder Ultimate Fight ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Licitra, den Radames singen Sie allein in diesem Jahr 26-mal. Wird Verdi da nicht irgendwann zur Routine?
Selbst wenn ich mich drei Stunden in der Garderobe einsinge, ist es jedes Mal wieder etwas völlig anderes, sobald ich auf die Bühne muss. Die Gegenwart von zweitausend Menschen ändert die psychologische Situation total. Außerdem ist Radames einfach eine...
Plácido Domingo, Generaldirektor der Los Angeles Opera, hatte sich für den ersten «Ring» in der kalifornischen Metropole etwas Außerordentliches gewünscht. Zunächst schwebte ihm ein «Star Wars»-Treatment in Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Mogul George Lucas vor. Doch als die Produktionskosten auf über 80 Millionen Dollar anwuchsen, musste er sich etwas anderes...
«Das Leben ist kein Wartesaal», seufzt der schöne Bariton, der im richtigen Leben Sebastian Geyer heißt und an diesem Abend wechselweise Monsieur Juste und Arthur de St. Barbe darstellt. Recht hat er, denn ihm hat das Warten rein gar nichts genützt. Zwar ist ihm auf der Jagd glatt eine Fee in die Falle gegangen, die ihm drei Wünsche erfüllen wollte, wenn er sie nur...
