Der ewige Schweinezyklus
Es ist schwer, der Versuchung zu widerstehen, den Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny als aktuellen Abgesang auf den Turbokapitalismus zu inszenieren. Zu gut passen die geschilderte Dekadenz, der gnadenlose Materialismus, die Dominanz des Geldes und der drohende Zusammenbruch zu den Schlagzeilen dieser Tage. Regisseur Thilo Reinhardt geht im Theater Trier einen anderen Weg. Er denkt das Stück von seinem Ende her, lässt das Abenteurertrio sein Profit-Center Mahagonny direkt auf die Müllhalde einer imaginären Vorgängerstadt bauen.
Aufstieg und Fall: ein endloser Schweinezyklus, mit ewigen Gewinnern und ewigen Verlierern.
Paul Zollers Bühnenbild zeigt einen Palast, vor dessen Toren sich der Abfall türmt und hinter dessen mächtigen Säulen ein billiges Festzelt-Ambiente auf unterhaltungswillige und zahlungskräftige Kunden wartet. Reinhardts düstere Bilder sind von einer drastischen Ironie, aber sie wahren Distanz zur Gegenwart. Und doch wird im Kopf des Betrachters deutlich, wie visionär Brecht und Weill mit ihrer Schilderung der Dekadenz gedacht haben – auch wenn das, was man für Geld kaufen konnte, vor siebzig Jahren noch nicht Komasaufen, Gang Bang, Dschungelcamp oder Ultimate Fight ...
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Schon der Begriff «Nowosibirsk» gilt im deutschsprachigen Raum als Synonym für das Ende der Welt. Umso erstaunlicher, dass eine Opernproduktion, die in Sibirien aus der Taufe gehoben wurde, bei ihrer Premiere an der koproduzierenden Pariser Bastille-Oper deutlich frischer, unkonventioneller und gegenwartsnäher daherkommt als der mitteleuropäische Mainstream.
Macbeth...
Saverio Mercadantes 1850 entstandene Tragedia lirica «Virginia» stand schon lange auf der Wunschliste des Schatzsucher-Teams von Opera Rara: Die Auftrittsarie des Schurken Appio war bereits vor zwölf Jahren Teil eines Recitals, das der damalige Haustenor Bruce Ford für das englische Spezialisten-Label einspielte.
In der Aufnahme, die nun als dritte...
Frau Kirchschlager, gestern Abend haben Sie Ihre erste Carmen gesungen. Wie hat sich das auf der Bühne angefühlt?
Gut. Zum Glück! Mir ist eine Riesenlast von der Seele gefallen, weil es für mich das erste Mal war, dass ich mir eine so wichtige Rolle ohne Regisseur erarbeiten musste und auf mich allein angewiesen war. Eigentlich hatte ich mich enorm auf die...
