Der ewige Schweinezyklus
Es ist schwer, der Versuchung zu widerstehen, den Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny als aktuellen Abgesang auf den Turbokapitalismus zu inszenieren. Zu gut passen die geschilderte Dekadenz, der gnadenlose Materialismus, die Dominanz des Geldes und der drohende Zusammenbruch zu den Schlagzeilen dieser Tage. Regisseur Thilo Reinhardt geht im Theater Trier einen anderen Weg. Er denkt das Stück von seinem Ende her, lässt das Abenteurertrio sein Profit-Center Mahagonny direkt auf die Müllhalde einer imaginären Vorgängerstadt bauen.
Aufstieg und Fall: ein endloser Schweinezyklus, mit ewigen Gewinnern und ewigen Verlierern.
Paul Zollers Bühnenbild zeigt einen Palast, vor dessen Toren sich der Abfall türmt und hinter dessen mächtigen Säulen ein billiges Festzelt-Ambiente auf unterhaltungswillige und zahlungskräftige Kunden wartet. Reinhardts düstere Bilder sind von einer drastischen Ironie, aber sie wahren Distanz zur Gegenwart. Und doch wird im Kopf des Betrachters deutlich, wie visionär Brecht und Weill mit ihrer Schilderung der Dekadenz gedacht haben – auch wenn das, was man für Geld kaufen konnte, vor siebzig Jahren noch nicht Komasaufen, Gang Bang, Dschungelcamp oder Ultimate Fight ...
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Politik – dies ist die Überzeugung von Regisseur David Hermann – verdirbt nicht nur den Charakter, sondern führt zwangsläufig zu psychischen Defekten. Dazu lässt Hermann im Programmheft den portugiesischen Dichter Fernando Pessoa zitieren, der in seinem «Buch der Unruhe» schreibt, im heutigen Leben gehöre die Welt nur den Narren, den Grobschlächtigen und den...
Die Kasseler Erstaufführung von Francis Poulencs aus seiner Zeit, aus dem Œuvre seines Schöpfers und über weite Strecken aus dem Genre Oper überhaupt fallendem Musiktheater wurde zum Überraschungserfolg. Was Reinhild Hoffmann aus den «Dialogen der Karmeliterinnen» machte, war der Gegenpol zu einer Inszenierung, die das Stück als neukatholisches Mysteriendrama...
Als sich Benjamin Britten Ende der 1960er Jahre mit der Vertonung von Thomas Manns «Tod in Venedig» zu beschäftigen begann, stellte er sich einer Herausforderung, die er sein ganzes Leben über gescheut hatte. «Ich bin so mutig, das Beste zu machen, was ich jemals geschaffen habe», äußerte sich der zu diesem Zeitpunkt schon schwerkranke Komponist – ein Mut, der sich...
