Nahaufnahme

Paris Verdi: Macbeth

Opernwelt - Logo

Schon der Begriff «Nowosibirsk» gilt im deutschsprachigen Raum als Synonym für das Ende der Welt. Umso erstaunlicher, dass eine Opernproduktion, die in Sibirien aus der Taufe gehoben wurde, bei ihrer Premiere an der koproduzierenden Pariser Bastille-Oper deutlich frischer, unkonventioneller und gegenwartsnäher daherkommt als der mitteleuropäische Mainstream.
Macbeth ist ein moderner Warlord, der aus egal welchem Krieg nach Hause in seine kleinbürgerliche Vorstadt zurückkehrt.

Das Publikum zoomt immer wieder via gigantischer Google Earth-Screen aus der Vogelperspektive auf die Straßen, Plätze und Häuser hinunter, von Regisseur und Ausstatter Dmitri Tcherniakov zum perfekten Voyeur gemacht. Die Kamera fliegt bis hinein ins Macbeth’sche Wohnzimmerfenster, wo die virtuelle Welt – technisch ein Geniestreich – übergangslos in die Bühnenrealität mündet.
Der Horror findet im Kopf des Titelhelden statt. Die Hexen, Bancos gedungene Mörder, die Aufständischen: Es sind immer nur die grauen Bewohner der grauen Vorstadt, zwischen denen die Handlung abrollt. Die wahre Hölle sind die Nachbarn – Sartre meets Lars von Trier und die «Desperate Housewives». Da ist es nur logisch, dass König Duncan als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2009
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Dieter Lintz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Liedhafte Intimität

«Ferdinand Leitner, ja der konnte alles, den ganzen Wagner genauso wie Fortner, Orff und Weill. Und er konnte es gut! Das war eben kein Routinier, sondern wirklich ein hervorragender Musiker». So urteilte Martha Mödl über den Dirigenten, dessen Image lange Zeit von seiner Stuttgarter Zeit geprägt war. Das Württembergische Staatstheater wurde in den fünfziger und...

Auf dem Lande

Immer wieder gewährt die Nationaloper Helsinki in dieser Spielzeit ihren Besuchern einen Blick auf die Seele Finnlands, so wie sie sich in Werken einheimischer Komponisten während der letzten 150 Jahre spiegelte. Hierzu gehört auch Leevi Madetojas erste Oper «Pohjalaisia» (Die Ostbottnier), die 1924 in Helsinki mit großem Erfolg uraufgeführt wurde. Das Opus empfand...

Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle

Die Unsitte, Klassik-Stars wie ihre Kollegen aus der Pop-Branche als Sexsymbole zu verkaufen, treibt weiterhin seltsame Blüten. Die EMI glaubte nun, ein anspruchsvolles Programm mit dem verheißungsvollen Titel «Midsummer Night» durch Hochglanzfotos der Interpretin «an den Mann» bringen zu können. Die englische Sopranistin Kate Royal, durchaus mit Model-Qualitäten...