Vollendet das ewige Werk?
Ein Trompe l’oreille ist diese Musik, nur scheinbar glanzvoll die Regenbogenbrücke am Schluss des «Rheingold». «Falsch und feig ist, was dort oben sich freut», klagen denn auch die Rheintöchter. Und selbst das Heldenmotiv (in Wien am Premierenabend im Übereifer ein wenig verzerrt) strahlt nur vermeintlich. Wotans «großer Gedanke» – eine Schimäre. An dieser Stelle passiert einer der suggestivsten szenischen Momente in Sven-Eric Bechtolfs Inszenierung: Hinter Wotans Rücken spielt Loge mit zwei goldenen Puppenköpfen, die er aus Mimes Werkstatt entwendet hat.
Homunculi, Klons aus Gold, auf die Alberich seine neue Welt wohl hatte bauen wollen. Wie ein Senfkorn trägt dieses Bild das weitere Geschehen des «Ring» in sich: die Künstlichkeit von Wotans Konstruktionen, die Verblendung, das Scheitern.
Auf das Wissen des Zusehers um dieses Scheitern baut der neue Wiener «Ring» – daher «Das Rheingold» als nunmehr letzte Premiere. Um die Handlung des Vorabends wirklich zu verstehen, so Dirigent Franz Welser-Möst, müsse das Publikum die Erfahrungen der weiteren drei Teile bereits gemacht haben. Zu diesen Erfahrungen gehört, dass der Zyklus in Wien vor allem musikalisch überzeugt. Welser-Mösts ...
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