Vollendet das ewige Werk?
Ein Trompe l’oreille ist diese Musik, nur scheinbar glanzvoll die Regenbogenbrücke am Schluss des «Rheingold». «Falsch und feig ist, was dort oben sich freut», klagen denn auch die Rheintöchter. Und selbst das Heldenmotiv (in Wien am Premierenabend im Übereifer ein wenig verzerrt) strahlt nur vermeintlich. Wotans «großer Gedanke» – eine Schimäre. An dieser Stelle passiert einer der suggestivsten szenischen Momente in Sven-Eric Bechtolfs Inszenierung: Hinter Wotans Rücken spielt Loge mit zwei goldenen Puppenköpfen, die er aus Mimes Werkstatt entwendet hat.
Homunculi, Klons aus Gold, auf die Alberich seine neue Welt wohl hatte bauen wollen. Wie ein Senfkorn trägt dieses Bild das weitere Geschehen des «Ring» in sich: die Künstlichkeit von Wotans Konstruktionen, die Verblendung, das Scheitern.
Auf das Wissen des Zusehers um dieses Scheitern baut der neue Wiener «Ring» – daher «Das Rheingold» als nunmehr letzte Premiere. Um die Handlung des Vorabends wirklich zu verstehen, so Dirigent Franz Welser-Möst, müsse das Publikum die Erfahrungen der weiteren drei Teile bereits gemacht haben. Zu diesen Erfahrungen gehört, dass der Zyklus in Wien vor allem musikalisch überzeugt. Welser-Mösts ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die meisten Menschen unterscheiden mühelos zwischen rituellem Theater (wie es etwa im alten Griechenland oder in entlegenen indischen Dörfern existiert/e) und der zeitgenössischen Kulturindustrie Europas oder Amerikas. Der Regisseur Peter Sellars lässt diese Unterscheidung nicht gelten. Anlässlich der Abschiedsfeierlichkeiten der Los Angeles Philharmonic für ihren...
Politik – dies ist die Überzeugung von Regisseur David Hermann – verdirbt nicht nur den Charakter, sondern führt zwangsläufig zu psychischen Defekten. Dazu lässt Hermann im Programmheft den portugiesischen Dichter Fernando Pessoa zitieren, der in seinem «Buch der Unruhe» schreibt, im heutigen Leben gehöre die Welt nur den Narren, den Grobschlächtigen und den...
Vom Mantuaner Gonzaga-Hof anno 1607 in die Gegenwart (Schlussbild) hatten William Christie und Pier Luigi Pizzi das Publikum vor einem Jahr am Teatro Real mit «Orfeo» geführt (OW 7/2008). Schauplatz des zweiten Teils ihrer Monteverdi-Trilogie (in Kooperation mit dem Teatro La Fenice, Venedig) ist jetzt eine griechische Insel der Gegenwart. Sand, der den...
