Durchwachsen
Alles beisammen: 47 Lieder von Maurice Ravel enthält die Gesamtausgabe, die das Billig-Label Brilliant Classics als Eigenproduktion vorlegt, sechs mehr als die 2003 erschienene Konkurrenz-Edition bei Naxos.
Mögen die Mélodies auch in Ravels Œuvre geringer wiegen als die Klavier- und Orchesterwerke und in der Geschichte der französischen Liedkunst hinter denen Debussys oder Poulencs zurückstehen, so lassen sie doch die Entwicklung seines Stils von den tastenden Versuchen des 18-jährigen Schülers am Konservatorium bis zu seiner letzten Komposition «Don Quichotte à Dulcinée» über 40 Jahre hinweg verfolgen.
Für den Hörer der vorliegenden Edition wird das allerdings mehr als einmal zu einer Prüfung, weil die vier Sänger oft ihre liebe Mühe mit den Ingredienzen des französischen Gesangs haben. Noch am besten zieht sich Christian Immler aus der Affäre: Mit geschmeidigem Ton und idiomatischer Artikulation singt er einige der «Chants populaires» und den kleinen «Don Quichotte»-Zyklus. Monica Piccinini hingegen verfehlt mit scharfer, überharter Stimme die Eleganz und Diktion dieser Lieder. Problematisch sind auch die Beiträge der Welschschweizerin Sophie Marilley – umso mehr, als ihr mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Uwe Schweikert
Hätte Emilio de’ Cavalieri seine «Rappresentatione di anima et di corpo» ein paar Monate später geschrieben, wäre die Musikgeschichte ein wenig übersichtlicher. Dann nämlich bliebe es dabei, dass die «Euridice» des Gattungserfinders Jacopo Peri auch die erste vollständig erhaltene Oper ist. So aber droht ihr Cavalieris ebenfalls im Heiligen Jahr 1600 uraufgeführtes...
Serge Dorny lehnt sich zurück und weist in die Ferne. In seinem gläsernen Büro hoch über Lyon räsoniert der Opernintendant über Interaktionen mit den Stadtteiltheatern oder dezentrale Kultur- und Bildungsprojekte, welche die drittgrößte französische Stadt und ihre sozialen Problemviertel so bitter nötig haben. «Für mich sind kulturelle Aktivitäten in diesen...
Der Befund ist kaum neu: So wie das Schauspiel immer weniger seinen Texten vertraut und durch den Griff der Protagonisten nach dem obligatorischen Mikrofon zum Musiktheater wird, so wird in der Oper der Vertrag mit der Partitur brüchiger. Solange aber Uraufführungen als Auftragswerke in den herkömmlichen Opernbauten und unter den üblichen Bedingungen genormter...
