Durchlüftetes Klangbild
Wäre es nach Napoleon gegangen, ein Bayer hätte sofort die Pariser Oper übernehmen können. 1799 hörte der begeisterte Feldherr in der Mailänder Scala «La Lodoïska», doch Simon Mayr lehnte dankend ab. Das Stück war lange ebenso vergessen wie die gerade wiederentdeckte «Medea in Corinto». Es wurde 1796 in Venedig uraufgeführt und verlangt dringend nach szenischer Umsetzung. Vorerst musste man sich mit einer konzertanten Wiederbelebung begnügen.
Dahinter steckt, wie fast immer bei diesem Tonschöpfer, die Simon-Mayr-Gesellschaft, die dieses Mal mit Sponsorenhilfe und Unterstützung des Bayerischen Rundfunks beachtliche Solisten und Dirigent George Petrou in den Festsaal an Mayrs früherer Studien- und Wirkungsstätte Ingolstadt verpflichten konnte. Es waren schmerzhafte Absagen zu verkraften, unter anderem die des zunächst vorgesehenen Dirigenten Rinaldo Alessandrini. Angehört hat man dies der Aufführung jedoch keinesfalls.
Zweierlei offenbart «La Lodoïska». Zunächst eine hitverdächtige Formelhaftigkeit, wie sie von Rossini in den lustvollen Irrsinn getrieben wurde. Aber eben auch eine Experimentierlust, die sich bei Werkstruktur und Instrumentationsfinessen zeigt. Das Libretto ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Werk wächst. Wechselt Farbe, Form, Figur. Bleibt aber beständig, nur eben anders gefasst. In seinem wunderbar präzisen «Versuch über Musik und Sprache» hat der Philosoph Albrecht Wellmer den Gedanken einer während ihres Fortbestehens in der Welt sich stetig entwickelnden Partitur umschrieben. Diese, heißt es da, sei nicht schon das Werk, das in ihr gemeint ist....
In keiner anderen Puccini-Oper ist Lokalkolorit so beherrschend wie in «Turandot». Denn das märchenhafte China bildet nicht nur die exotische Kulisse des Geschehens; unüberhörbare Anleihen aus Fernost finden sich auch in der Partitur. Kein Zufall also, dass «Turandot» traditionell ein beliebter Gegenstand von kostümseligen Monumentalaufführungen unter freiem Himmel...
Als «Opernwelt» und «Theater heute» ihren 50. Geburtstag feierten, erklärte die Kölner Intendantin Karin Beier, dass Theater alles bewirken solle: das Ende des Konflikts in Afghanistan, die Verflüchtigung des Ölteppichs im Golf von Mexiko, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit... Ihr Sarkasmus über falsche Erwartungen gab das Stichwort. In der Neuköllner Oper...
