Durchaus empfindsam und mit lebhafter Innigkeit

Daniel Heide zählt zu den besten Liedbegleitern der Gegenwart, insbesondere im romantischen Repertoire von Schubert bis Liszt. Er selbst sieht sich als Sherpa, der die Sängerinnen und Sänger zum Gipfel hinauf begleitet, aber auch als Architekt eines Klanggebäudes. Ein Gespräch über Sinn und Sinnlichkeit, alte und neue Flügel, gängige Künstler-Klischees sowie die Prägung durch das Chanson

Opernwelt - Logo

 

Herr Heide, dürfen wir uns das Verhältnis zwischen einer Sängerin oder einem Sänger und einem Pianisten als ein erotisches vorstellen?
Das dürfen Sie, allerdings gefielen mir da auch Beschreibungen wie «innig», «freundschaftlich» oder «symbiotisch». Aber jetzt, wo Sie fragen, kommt mir sofort eine Sentenz von Christa Ludwig in den Sinn, die im hohen Alter zurückschauend einmal gesagt hat, dass man, so es zwischen Dirigenten und Solistin keine Form von erotischer Verbindung gebe, gar nicht erst anfangen müsse, miteinander zu arbeiten.

Und, ja, es wäre schon gut, wenn ich mich mit dem jeweiligen künstlerischen Partner, sei er männlich oder weiblich, gut verstehe; und ebenso wichtig ist es, dass dieser so agiert, dass mir das ganz persönlich sehr gut gefällt – sowohl künstlerisch, stilistisch, fachlich wie menschlich. Es sollte vor allem sinnlich sein und sinnlich klingen. Und just in dem Moment, wo es mich anfasst, entsteht die Energie für meine Aufgabe. Und die besteht darin, einen Teppich auszulegen; ich muss zuhören und verstehen, wie die Atmung der Sängerin oder des Sängers funktioniert, um mich sofort einzuklinken und das Ganze dann so zu führen, dass die Phrasen immer gut ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Interview, Seite 50
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Vive la femme!

Beim Betreten des Zuschauerraums ist das Saallicht halb eingezogen. Der geöffnete Vorhang zeigt eine menschenleere Bühne, einen quadratischen Raum, begrenzt von drei stumpf-silbernen Wänden, entworfen von Mirek Kaczmarek. Noch bevor das Orchester gestimmt ist, der Dirigent den Graben betreten hat, kommen nacheinander Männer und Frauen in strengen Büroanzügen...

Präsentiert die Leuchtstäbe!

Die Schwierigkeiten, Beethovens «Fidelio» zu inszenieren, werden von der Güte der Musik und der Berühmtheit des Urhebers regelmäßig weggeschwemmt. Die Schwierigkeiten liegen darin, dass auf der Bühne viel weniger passiert, als uns die Musik verspricht. Und wenn etwas passiert, passiert eigentlich immer noch so gut wie nichts. Schließlich geht alles gut aus – so...

TV, Streams 5/26

alpha
03.05. – 21.45 Uhr
Händel – An Occasional Oratorio
Howard Arman dirigiert den Chor des Bayerischen Rundfunks und die Akademie für Alte Musik Berlin.

arte
02.05. – 23.35 Uhr
Benjamin: Picture a Day Like This
Der britische Komponist George Benjamin präsentierte 2023 in Aixen-Provence sein neues Bühnenwerk «Picture a Day Like This».

03.05. – 15.35 Uhr
Famous...