Don't worry, be happy!
Gut sehen tue ich schlecht, aber schlecht hören tue ich gut»: Was spitze Zungen zuweilen als angebliches Kriterium für die Aufnahme in die Zunft der Musikkritik nennen, bildet im Falle der «Pirates of Penzance» die Grundbedingung des Stücks. Zumindest zu 50 Prozent.
Weil nämlich Ruth, einst Kinderfrau in einem respektablen englischen Haushalt, nicht besonders gute Ohren besitzt, hat sie sich damals glatt verhört – und Frederic, das Söhnchen ihres Herrn, nicht etwa weisungsgemäß zu einem «pilot», einem Seelotsen, ausbilden lassen, sondern zu einem «pirate» – einem Freibeuter, Bukanier, Flibustier. So weit, so shocking.
An der Wiener Volksoper ist Ruth freilich nicht aus dem selbst schon etwas betagten, fragwürdig gewordenen Rollenfach der komischen Alten besetzt, sondern eine gute Generation jünger: Johanna Arrouas erheitert nicht nur durch einen hinzugefügten schwyzerdütschen Akzent, sondern wirkt in der deutsch-englischen Textadaption durch Jennifer Gisela Weiss auch akustisch noch glaubwürdiger, wenn sie die verlangte «private school» mit einer «pirate school» verwechselt …
Teilübersetzungen und Eingriffe, Rahmenhandlung und Umdichtungen, mehrfaches Durchbrechen der vierten ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 71
von Walter Weidringer
Nach dem mächtigen Impuls der letzten Spielzeit, als sich die Staatstheater in Karlsruhe, Meiningen und Schwerin der von Sturm, Meereswogen und menschlichen Leidenschaften durchbrausten dritten Oper von Ethel Smyth angenommen hatten, reüssieren «The Wreckers» nun ein weiteres Mal. Nicht aber im Deutsch der Leipziger Uraufführung von 1906, sondern, wie drei Jahre...
Es muss Außergewöhnliches, ja, Einzigartiges anstehen, wenn ein Komponist mitten im Stück nicht nur Tonund Taktart wechselt, sondern dazu noch drei Fermaten und direkt davor ein morendo notiert. Still also muss es sein, nein: sterbensstill, bevor Fritz, der Pierrot, sein Loreley-Lied «Mein Sehnen, mein Wähnen» anstimmt, in geheiligtem Des-Dur und süß-sahnigstem pia...
Beim Betreten des Zuschauerraums ist das Saallicht halb eingezogen. Der geöffnete Vorhang zeigt eine menschenleere Bühne, einen quadratischen Raum, begrenzt von drei stumpf-silbernen Wänden, entworfen von Mirek Kaczmarek. Noch bevor das Orchester gestimmt ist, der Dirigent den Graben betreten hat, kommen nacheinander Männer und Frauen in strengen Büroanzügen...
