Präsentiert die Leuchtstäbe!
Die Schwierigkeiten, Beethovens «Fidelio» zu inszenieren, werden von der Güte der Musik und der Berühmtheit des Urhebers regelmäßig weggeschwemmt. Die Schwierigkeiten liegen darin, dass auf der Bühne viel weniger passiert, als uns die Musik verspricht. Und wenn etwas passiert, passiert eigentlich immer noch so gut wie nichts. Schließlich geht alles gut aus – so gut, dass es auch wieder nicht zu fassen ist. Außer durch die Musik selbstverständlich.
Was aber dazu zeigen? Im Interimsquartier der Theaterfabrik Blaue Halle des Würzburger Mainfrankentheaters versucht es der kommissarische Intendant Georg Rootering mit einer Feier bürgerlicher Selbstermächtigung. Der stark beschäftigte Chor hantiert zu diesem Zweck mit Leuchtstäben, ein etwas umständliches Prozedere. Die Leuchtstäbe werden verteilt, eingesammelt, drapiert und wieder verteilt, einerseits ritualhaft, andererseits läppisch. Allmählich bilden sich aus den gemeinsam so oder so gehaltenen Stäben Buchstaben und Begriffe: ein allgemeines «Human», ein topaktuelles «No Kings» oder ein historisch wirkendes «Virtú». Zivile Devisen verschiedener Zeiten.
Szenisch ist das einiger Aufwand für etwas, das man auch einen Allgemeinplatz ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Judith von Sternburg
Herr Heide, dürfen wir uns das Verhältnis zwischen einer Sängerin oder einem Sänger und einem Pianisten als ein erotisches vorstellen?
Das dürfen Sie, allerdings gefielen mir da auch Beschreibungen wie «innig», «freundschaftlich» oder «symbiotisch». Aber jetzt, wo Sie fragen, kommt mir sofort eine Sentenz von Christa Ludwig in den Sinn, die im hohen Alter...
Beim Betreten des Zuschauerraums ist das Saallicht halb eingezogen. Der geöffnete Vorhang zeigt eine menschenleere Bühne, einen quadratischen Raum, begrenzt von drei stumpf-silbernen Wänden, entworfen von Mirek Kaczmarek. Noch bevor das Orchester gestimmt ist, der Dirigent den Graben betreten hat, kommen nacheinander Männer und Frauen in strengen Büroanzügen...
Das Geständnis ist kurz. Kaum zwei Minuten dauert die schwärmerische B-Dur-Arie «Donna non vidi mai simile a questa!», in der Des Grieux mit lakonischen Worten erklärt, dass er noch nie eine solche Frau gesehen habe – und dass er sich ohne Umschweife heillos in sie verliebt habe: «Io t’amo.» Ihre Stimme ist es zuallererst, die ihn im Innersten berührt, dabei hatte...
