Zeichen der Zeit
Eine Fellmütze, aus der Büffelhörner sprießen: Dieser stumme Mann gehört nicht hierher. Jacob Chansley alias der «QAnon-Schamane» und ikonischer Teil des Mobs, der 2021 das US-Kapitol stürmte, hat sich nach Moskau verlaufen. Auch in ein anderes Zeitalter und in ein anderes System? Da kann man sich nicht ganz so sicher sein. Sagt diese Produktion, die sich einreiht in viele Vorläufer.
Opern zu Zaren-Zeiten, da setzt gern mal ein Pawlow’scher Regie-Reflex ein, nicht nur bei «Chowanschtschina» von Modest Mussorgski, auch bei Parallelstücken wie dessen «Boris Godunow»: Kaum etwas hat sich geändert am Sumpf aus Intrige, Oligarchentum, Machtbesoffenheit und Selbstbereicherung. Alles wie immer seit den nur scheinbar längst verblichenen Ären der alten Kremlherrscher (andere illustrieren das mit Stalin- oder Putin-Bildern) – nur dass die mittlerweile eine B-Besetzung im Weißen Haus provoziert haben. Auch die Vereinigten Staaten von Amerika, so augenzwinkert Simon McBurney mit dem Hörnerkerl, rutschen ab ins schwarze Loch.
Früher auf der Kinoleinwand aktiv oder im Schauspiel, setzt sich der Brite immer häufiger in den Regiestuhl. Eigentlich war diese «Chowanschtschina», welch grandiose ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Markus Thiel, Stephan Mösch
Eigentlich passt das Theater Krefeld und Mönchengladbach gar nicht so richtig in die Reihe «Opernwelt auf Landpartie». Weder sind Krefeld und Mönchengladbach kleine Städte, noch liegen sie fernab der Metropolen. Zum Theater Krefeld kann man von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Allee, dem Hauptsitz der Deutschen Oper am Rhein, sogar mit der Tramlinie U76 fahren, die...
Richard Wagner verehrte zeitlebens Daniel-François-Esprit Aubers «Muette de Portici». Das Stück war für ihn ein prägendes Jugenderlebnis, nicht nur wegen des spektakulären Sujets des neapolitanischen Lazzaroni-Aufstands von 1647 und des tragischen Scheiterns seines charismatischen Führers Masaniello, der wie ein Schatten die Konzeption von «Rienzi» begleiten wird,...
Als ich Giselher Klebe im März 2006 in Detmold zu einem Gespräch traf, galt meine letzte Frage der Zukunft der Oper als komponierter Form, wie er sie betrieben hat. Seine Antwort war niederschmetternd: «Es besteht die Gefahr, dass sie keine Zukunft hat.» Aufgeführt wurden seine Bühnenwerke schon damals kaum mehr, und diskographisch war es um ihn seit jeher schlecht...
