Zeichen der Zeit

Osterfestspiele mit einiger kulturpolitischer Brisanz. In Salzburg, bei Mussorgskis «Chowanschtschina», steht mit Esa-Pekka Salonen der letzte Gastdirigent vor der Rückkehr der Berliner Philharmoniker am Pult, in Baden-Baden sagt deren Chefdirigent Kirill Petrenko mit Puccinis «Madama Butterfly» vernehmlich Servus

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Eine Fellmütze, aus der Büffelhörner sprießen: Dieser stumme Mann gehört nicht hierher. Jacob Chansley alias der «QAnon-Schamane» und ikonischer Teil des Mobs, der 2021 das US-Kapitol stürmte, hat sich nach Moskau verlaufen. Auch in ein anderes Zeitalter und in ein anderes System? Da kann man sich nicht ganz so sicher sein. Sagt diese Produktion, die sich einreiht in viele Vorläufer.

Opern zu Zaren-Zeiten, da setzt gern mal ein Pawlow’scher Regie-Reflex ein, nicht nur bei «Chowanschtschina» von Modest Mussorgski, auch bei Parallelstücken wie dessen «Boris Godunow»: Kaum etwas hat sich geändert am Sumpf aus Intrige, Oligarchentum, Machtbesoffenheit und Selbstbereicherung. Alles wie immer seit den nur scheinbar längst verblichenen Ären der alten Kremlherrscher (andere illustrieren das mit Stalin- oder Putin-Bildern) – nur dass die mittlerweile eine B-Besetzung im Weißen Haus provoziert haben. Auch die Vereinigten Staaten von Amerika, so augenzwinkert Simon McBurney mit dem Hörnerkerl, rutschen ab ins schwarze Loch.

Früher auf der Kinoleinwand aktiv oder im Schauspiel, setzt sich der Brite immer häufiger in den Regiestuhl. Eigentlich war diese «Chowanschtschina», welch grandiose ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Markus Thiel, Stephan Mösch

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