Zeichen der Zeit
Eine Fellmütze, aus der Büffelhörner sprießen: Dieser stumme Mann gehört nicht hierher. Jacob Chansley alias der «QAnon-Schamane» und ikonischer Teil des Mobs, der 2021 das US-Kapitol stürmte, hat sich nach Moskau verlaufen. Auch in ein anderes Zeitalter und in ein anderes System? Da kann man sich nicht ganz so sicher sein. Sagt diese Produktion, die sich einreiht in viele Vorläufer.
Opern zu Zaren-Zeiten, da setzt gern mal ein Pawlow’scher Regie-Reflex ein, nicht nur bei «Chowanschtschina» von Modest Mussorgski, auch bei Parallelstücken wie dessen «Boris Godunow»: Kaum etwas hat sich geändert am Sumpf aus Intrige, Oligarchentum, Machtbesoffenheit und Selbstbereicherung. Alles wie immer seit den nur scheinbar längst verblichenen Ären der alten Kremlherrscher (andere illustrieren das mit Stalin- oder Putin-Bildern) – nur dass die mittlerweile eine B-Besetzung im Weißen Haus provoziert haben. Auch die Vereinigten Staaten von Amerika, so augenzwinkert Simon McBurney mit dem Hörnerkerl, rutschen ab ins schwarze Loch.
Früher auf der Kinoleinwand aktiv oder im Schauspiel, setzt sich der Brite immer häufiger in den Regiestuhl. Eigentlich war diese «Chowanschtschina», welch grandiose ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Markus Thiel, Stephan Mösch
Am Tag, da in Rom der linksgerichtete Papst Franziskus zu Grabe gebracht wurde, fand am Theater Bielefeld die Premiere von Bohuslav Martinůs «Greek Passion» statt – ein Stück, das nach einem real praktizierten, radikal sozial verstandenen Christentum fragt, wie es auch der Verstorbene in Erinnerung bringen wollte. Der geheime Draht zwischen Rom und Bielefeld muss...
Aus männlicher Perspektive mögen jene Verse, die Adelbert Chamisso im zweiten Gedicht seines Zyklus’ «Frauenliebe und -leben» der imaginären Liebenden in den Mund legte, durchaus der Wahrheit entsprechen: «Er, der Herrlichste von Allen, / Wie so milde, wie so gut!». Schön wär’s – denn damit zeichnet der romantische Dichter ein nicht nur verklärendes, sondern zudem...
Nach dem zaghaft wirkenden Start vor einem halben Jahr (siehe OPERNWELT 12/2024) nimmt die Gesamtausgabe von Donizettis Liedern nun richtig Fahrt auf. Die dritte und vierte CD – acht sind insgesamt geplant – bringen so viele Kompositionen von herausragender Qualität, dass man sich an ihnen gar nicht satthören mag. Dies gilt insbesondere für die Scheibe mit Michael...
