Ritual und Rätsel

Hosokawa: Matsukaze / Larcher: Das Jagdgewehr MÜNCHEN | BAYERISCHE STAATSOPER | UTOPIA | CUVELLIÉS-THEATER

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Lustwandeln, sich den Klängen, dem Raum, dem gedämpften Licht überlassen, das ginge auch. Aber dann verpasst man etwas; an manchen Stellen des Münchner Utopia, der ehemaligen Reithalle am Rande des Zentrums, tut sich schließlich Entscheidendes. Wie etwa der riesenhafte Corey Scott-Gilbert unter Zuckungen und Krämpfen das Wachsen einer Kiefer nachspielt, dem altasiatischen Symbol für Langlebigkeit und Fruchtbarkeit. Wie sich die Schwestern Matsukaze und Murasame am anderen Ende der Halle symbolisch waschen.

Oder wie sich Thomas Schmauser als oberkörperfreier Mönch in einer Salzkiste windet.

2011 wurde Toshio Hosokawas «Matsukaze» in Brüssel uraufgeführt. Die auf dem Nō-Theater basierende Kammeroper verweigert sich dramaturgischer Stringenz, ist vielmehr eine Meditation über Vergänglichkeit, Nicht-loslassen-Können, über (lebensbedrohliche) Wünsche und das Akzeptieren der Realität. Ein Mönch trifft in einem Salzhaus am Strand auf zwei Schwestern, die auf Yukihira warten, ihren früheren Geliebten. Es ist eine Begegnung mit der Vergangenheit, die Frauen sind längst tot. Handlung wird zum Ausgangspunkt für ein 80-minütiges Gespinst am Rande des Geräuschs und der Stille, zwischen ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Markus Thiel

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