Drei tolle Tage
Figaro› wird von Musik-Kennern am meisten geschätzt. An Gedanken-Reichtum gleicht er dem ‹Idomeneo›, an Originalität weicht er keiner anderen». So wusste es vor mehr als zweihundert Jahren Franz Xaver Niemetschek, Augenzeuge der enthusiastisch aufgenommenen Prager Erstaufführung der Oper. Ganz falsch ist das Urteil des ersten Mozart-Biografen auch heute nicht. Dafür spricht allein die Statistik des Bärenreiter-Verlags, der über die Aufführungsrechte an der (von praktisch allen Bühnen verwendeten) Neuen Mozart-Ausgabe verfügt.
An der Spitze standen dort im Mozart-Jahr 2006 jene Opern, die seit jeher fest im Repertoire verankert sind: «Don Giovanni» mit 48 Einstudierungen, «Die Zauberflöte» mit 42, «Così fan tutte» mit 35, «Le nozze di Figaro» mit 32 und «Die Entführung aus dem Serail» mit 32. Aufschlussreich allerdings, dass Schmerzenskinder wie der «Idomeneo» mit 40 und selbst «La clemenza di Tito» mit 32 Inszenierungen sich in dieser Spitzengruppe behaupten konnten. Das war vor fünfzig Jahren noch undenkbar.
Einher mit dieser Ausweitung, und das ist das eigentlich Überraschende, ging aber auch eine Umwertung des Mozart-Kanons, die gerade die Da-Ponte-Trilogie betrifft. Hier hat ...
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Seit der Wiener Uraufführung 1919 ist «Die Frau ohne Schatten» ein Schmerzenskind des Musiktheaters. Von seinen beiden Autoren maßlos selbstvermessen als «gemeinsames Hauptwerk» geplant, musste das Stück fast zwangsläufig an seiner eigenen Hypertrophie, dem literarisch überfrachteten Libretto von Hofmannsthal und der sinfonisch-illustrativen Musik von Strauss,...
Der Tod kommt im Leben nicht vor. Er steht am Rande, ein Wartender. Nicht jedem ist dieser Wartende willkommen. Und auch in der Oper mag mancher dieses Sterben nicht miterleben; deswegen vor allem kam das lieto fine in die Welt. Der Beispiele für dieses versöhnende Schlusstableau sind es zahlreiche. Eines davon datiert vom 17. November 1866, als die Oper «Mignon»...
Am 8. Februar 1891 sang der achtzehn Jahre junge Fjodor Iwanowitsch Schaljapin in der Nähe seiner Geburtsstadt Kasan die zweite Rolle seines noch jungen Sängerlebens: den Ferrando in Verdis «Trovatore». In Kasan, heute eine 1,1-Millionen-Stadt siebenhundert Kilometer östlich von Moskau, war der russische Bassist am 13. Februar 1873 zur Welt gekommen. Da lag es...
