Drei Mal Leben
Als Tatjana Gürbaca vor zweieinhalb Jahren im Theater an der Wien Richard Wagners «Ring» dekonstruierte und die Geschichte aus drei unterschiedlichen Perspektiven vom Ende her in Rückblenden erzählte, konnte sie auf die einende Kraft der Wagner’schen Leitmotive und ein identisches Kern-Personal setzen. Das Ergebnis war verblüffend schlüssig, es bot interessante neue Denkansätze für das Riesen-Opus.
An Brüssels Théâtre La Monnaie hatte man nun etwas Ähnliches im Sinn mit Mozarts drei Da Ponte-Opern, die von jeher ästhetisch als Zyklus verstanden, aber noch nie wirklich aufeinander bezogen, geschweige denn miteinander vermischt wurden. Zuletzt brachten, man schrieb das Mozart-Jahr 2006, Jossi Wieler und Sergio Morabito die Trias in Amsterdam auf die Bühne; die Salzburger Festspiele griffen, ebenfalls zum Jubiläum, mit ihren zyklischen Aufführungen auf bereits vorhandene Inszenierungen zurück.
Die drei zentralen Mozart-Opern reizen natürlich aufgrund ihres so unverblümt zeitgenössischen, von den Umwälzungen auf der Schwelle vom feudalen zum bürgerlichen Zeitalter «sprechenden» Personals seit jeher zu gewissen Spekulationen: Deutet sich nicht im heftig pubertierenden Cherubino schon ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Regine Müller
alpha
03.04. – 20.15 Uhr
Missa Solemnis
BR Chor und Sinfonieorchester, ML: Gardiner
05.04. – 22.00 Uhr
Bach: Matthäuspassion
Live aus dem Herkulessaal, München
Chor des BR, ML: Dijkstra, S: Gauvin, Romberger, Schmitt, Prégardien, Nagy, Fredriksson
12.04. – 21.45 Uhr
Wagner: Tannhäuser
Münchner Opernfestspiele 2017, ML: Petrenko, I: Castellucci, S: Zeppenfeld, Vogt,...
Es wurde wirklich höchste Zeit. Zeit für eine Kugel-Revolution. Und um sie anzuzetteln, bedurfte es nur eines einzigen mutigen Mannes. Manfred Honeck heißt er, ist im Hauptberuf (Opern-)Dirigent (und als solcher durchaus mit Talenten gesegnet) sowie seit Kurzem in erlaubter Nebentätigkeit Kulinarik-Experte. Wie das? Ganz einfach: Honeck hat das Ende der...
Christoph Schlingensief hatte einen Traum. Einen durch und durch romantischen Traum. Er träumte von einem Ort weit abseits der etablierten Musentempel, an dem die Kunst wieder zu sich selbst kommen würde, wo Menschen unterschiedlichster Herkunft, von Zwängen befreit, künstlerisch arbeiten und einen postkolonialen Diskurs führen könnten. In diesem Traum kam das...
