Lichte Inseln im Lavastrom
Dieser Konzert-Mitschnitt von 1979 bereichert über den rein künstlerischen Wert hinaus das ohnehin stark schillernde Bild des Komponisten Franz Schmidt um unbekannte Züge. «Fredigundis» ist sein modernstes Werk; der Dreiakter dürfte all jene Enthusiasten erstaunen, die Schmidt vor allem für das Vorspiel zu «Notre Dame», die vierte Symphonie C-Dur und das «Buch mit sieben Siegeln» bewundern. Damit hat «Fredigundis» wenig zu tun.
Die Oper hat überhaupt wenig zu tun mit dem angeblich erzreaktionären, zutiefst österreichisch fühlenden Musiker.
Vollendet 1921 und – nach dem notorischen Wiener Wickel – 1922 in Berlin uraufgeführt, kündet sie, streckenweise kakophon knisternd, vom Ende der klassisch-romantischen Dreiklangharmonik, ohne sich jedoch in die Sackgasse einer publikumsfeindlichen Kunstautonomie zu verirren. Mochte er noch so viel Bitonalität und vertrackten Kontrapunkt aufbieten, eine akkordisch wuchernde, gern auch fugierte Satzkunst sowie einen selten arios gestalteten Gesang, der mit den chromatisch flackernden Melodieverläufen der Instrumente verschmilzt – letztlich war Schmidt Ausdrucksmusiker. Man darf «Fredigundis» durchaus mit anderen Meisterwerken der Nachkriegsmoderne ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 29
von Volker Tarnow
Frau Prohaska, Sie wurden in Neu-Ulm geboren, wuchsen in Wien auf und leben seit ihrem zehnten Lebensjahr in Berlin. Ist die bundesdeutsche Hauptstadt Ihre Heimat?
Das würde ich definitiv so sagen. Wenn ich längere Zeit in Wien bin, ist das für mich auch wieder Heimat, und Salzburg ebenfalls, wo unsere Familie ein kleines Haus hat an einem See – ein altes...
Von den alten Griechen ist der Mythos überliefert, dass Schwäne im Angesicht des Todes besonders schön singen. Daher rührt der Begriff «Schwanengesang». Seitdem die English National Opera vor dem Abgrund steht, singt und spielt sie, als beflügle die Not des Hauses ihre Kreativität. In den letzten zwei Jahren hat die ENO eine Reihe von Aufführungen produziert, wie...
So etwas liest man gern: «E wie energiegeladen, exzentrisch, Entdeckungen, Erstaufführung und Ereignisse», schreibt die Regisseurin Miriam Götz über den Buchstaben E in der «Opera Factory Freiburg». Okka van der Damerau, sie war 2006 bei Brittens «Noye’s Fludde» dabei, lobt im Programmheft zum 30-jährigen Jubiläum das persönliche Engagement, die Kreativität und den...
