Angst wagen
Im Plenarsaal des Deutschen Bundestages werden 16 Nonnen hingerichtet. Eine nach der anderen sinken sie zu Boden, darüber schwebt drohend der Bundesadler. Ein Ort, der vielen als Symbol der Rechtsstaatlichkeit gilt, wird zum Schauplatz des Terrors. Die ungeheuerliche Szene bringt die Befürchtungen auf den Punkt, die Regisseur Paul Georg-Dittrich und sein Team für die Zukunft der Zivilgesellschaft hegen.
Am Staatstheater Braunschweig zeigen sie mit Poulencs «Les Dialogues des Carmélites» eine dystopische Erzählung von Totalitarismus und Demokratie-Verfall – aber auch von Mut und Charakterstärke.
Die 1957 uraufgeführte Oper beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1794: Unter der postrevolutionären Terrorherrschaft von Robespierre wurden die Schwestern des Karmelitinnen-Ordens in Compiègne zum Tode verurteilt, weil sie trotz Verbots weiter religiöse Versammlungen abgehalten hatten. Die Braunschweiger Version verzichtet auf visuelle christliche Elemente: Anstelle eines Habits tragen die Nonnen himmelblaue Hosenanzüge, ein leuchtender Hirtenstab erinnert nur noch entfernt an ein Kruzifix.
Dafür fallen die Anspielungen auf die jüngere Zeitgeschichte umso stärker aus: ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Anna Schors
Während ringsum in Europa der Klassizismus Wurzeln schlug, schuf Jean-Philippe Rameau mit «Les Boréades» eine letzte Apotheose der von Lully begründeten französischen Barockoper. Das Werk des 80-Jährigen wurde 1763 zwar noch geprobt, vermutlich aus Zensurgründen aber nicht aufgeführt und nach Rameaus Tod 1764 vergessen. Mehr als 200 Jahre später entriss John Eliot...
Skandal! In großen Lettern stand das Wort im Raum, seit eine Zürcher Sonntagszeitung ans Licht gebracht hatte, dass am Opernhaus Zürich vor der Premiere von Alfred Schnittkes Oper «Leben mit einem Idioten» massiv in Libretto und Partitur des Stücks eingegriffen worden sei. Der Schuldige war rasch ausgemacht, es war der Regisseur Kirill Serebrennikov, der dafür...
Frau Prohaska, Sie wurden in Neu-Ulm geboren, wuchsen in Wien auf und leben seit ihrem zehnten Lebensjahr in Berlin. Ist die bundesdeutsche Hauptstadt Ihre Heimat?
Das würde ich definitiv so sagen. Wenn ich längere Zeit in Wien bin, ist das für mich auch wieder Heimat, und Salzburg ebenfalls, wo unsere Familie ein kleines Haus hat an einem See – ein altes...
