Angst wagen
Im Plenarsaal des Deutschen Bundestages werden 16 Nonnen hingerichtet. Eine nach der anderen sinken sie zu Boden, darüber schwebt drohend der Bundesadler. Ein Ort, der vielen als Symbol der Rechtsstaatlichkeit gilt, wird zum Schauplatz des Terrors. Die ungeheuerliche Szene bringt die Befürchtungen auf den Punkt, die Regisseur Paul Georg-Dittrich und sein Team für die Zukunft der Zivilgesellschaft hegen.
Am Staatstheater Braunschweig zeigen sie mit Poulencs «Les Dialogues des Carmélites» eine dystopische Erzählung von Totalitarismus und Demokratie-Verfall – aber auch von Mut und Charakterstärke.
Die 1957 uraufgeführte Oper beruht auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1794: Unter der postrevolutionären Terrorherrschaft von Robespierre wurden die Schwestern des Karmelitinnen-Ordens in Compiègne zum Tode verurteilt, weil sie trotz Verbots weiter religiöse Versammlungen abgehalten hatten. Die Braunschweiger Version verzichtet auf visuelle christliche Elemente: Anstelle eines Habits tragen die Nonnen himmelblaue Hosenanzüge, ein leuchtender Hirtenstab erinnert nur noch entfernt an ein Kruzifix.
Dafür fallen die Anspielungen auf die jüngere Zeitgeschichte umso stärker aus: ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Anna Schors
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