Doppelpack
Am Tag danach war sie schon wieder in der Altstadt unterwegs. Weißblaues Kleid, der Gatte farblich passend gewandet, der Sohn aus erster Ehe ebenfalls dabei. Jeder, der mochte, konnte Salzburgs Royal Patchwork-Family knipsen – Anna Netrebko nimmt das schmerzfrei, ja sportiv: Wo das weltteuerste Festival gerade an akuter Giga-Star-Armut krankt, muss man dem Publikum geben, soviel eben geht. Zum Beispiel auch eine konzertante «Manon Lescaut». Zu Puccinis Schlaglicht-Vierakter passt das nur bedingt, das Bühnenpersonal im Großen Festspielhaus schaltet daher auf halbszenisch um.
Bis hin zum Kniefall von Des Grieux und zum zweimaligen mutmaßlich echten Kuss – Yusif Eyvazov darf das, er ist der Ehemann und wird daher gerade etwas häufiger gebucht, als es seiner Vokalform gebührt.
Der Aserbaidschaner bringt gern sein robustes Tenorgeschütz in Stellung, um Schattierungen, Farbwechsel oder Ähnliches kümmert er sich nur bedingt. Alles ist ein, zwei Eichstriche zu laut, Eleganz wird allenfalls angedeutet. Dabei hat Eyvazov bestmögliches Anhörungsmaterial zur Verfügung. Nicht erst die Elsa im Dresdner «Lohengrin» hat die Netrebko auf die richtige Bahn gebracht (mit der Bayreuther Elsa 2018 ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Markus Thiel
Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? Das sind, nach Kant, die Grundfragen des auf Vernunft gegründeten Lebens. Sapere aude! – der vor 232 Jahren formulierte Appell des aufgeklärten Geistes aus Königsberg ist bis heute nicht eingelöst. Und erst recht nicht erledigt. Wie ein verdecktes Leitmotiv hallt er durch das Werk von William...
Früher konnten sich die Fans sicher sein. Mindestens ein-, am besten zweimal Barock pro Saison, das war eine feste Bank im Spielplan der Bayerischen Staatsoper. Der Riesen-Dino von Richard Jones, heute schon fast eine Münchner Tierlegende wie der Rauhaardackel, machte anno 1995 für Händels «Giulio Cesare» den Auftakt. Aus Renaissance wurde Überfütterung,...
Fast wäre Siegmund rausgeflogen. Ausgerechnet bei «Winterstürme wichen dem Wonnemond», einem Schlager des «Ring», meist auch ein Stück wohliger Lyrik, eines, bei dem man Stimme zeigen kann, ohne sich allzu viel anzustrengen. Nicht so, wenn Marek Janowski dirigiert. Dass dieser Siegmund buchstäblich von Hunden gehetzt ist, geächtet und mit dem Tode bedroht, das...
