Aufs Auge gezirkelt
Früher konnten sich die Fans sicher sein. Mindestens ein-, am besten zweimal Barock pro Saison, das war eine feste Bank im Spielplan der Bayerischen Staatsoper. Der Riesen-Dino von Richard Jones, heute schon fast eine Münchner Tierlegende wie der Rauhaardackel, machte anno 1995 für Händels «Giulio Cesare» den Auftakt. Aus Renaissance wurde Überfütterung, schließlich Entwöhnung – anders als Vorvorgänger Peter Jonas hat Intendant Nikolaus Bachler nicht so furchtbar viel Lust auf Vorklassik.
Wenn, dann als Verbeugung vor einem Ausnahmesänger (wie 2014 im Falle von «L’Orfeo» und Christian Gerhaher). Oder, wie jetzt zur zweiten großen Festspielpremiere, als extravagance à la française.
Überall zusammengekaufte Alte-Musik-Experten, neu formiert unter dem Namen «Münchner Festspielorchester», als Regie-Choreograf mit Sidi Larbi Cherkaoui ein schwer angesagter Name, darunter läuft es nicht für «Les Indes galantes» von Jean-Philippe Rameau im Prinzregententheater. Geblieben aus alten Barockzeiten ist Ivor Bolton. Und in denen scheint er auch anfangs steckengeblieben zu sein. Mit seinem Überdruck, dem steten Antreiben, dem Hang zum Offensiven dirigiert Bolton Rameau als französisch maskierten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Markus Thiel
«Von Reformen, ganz enormen, träumen wir am Bosporus»: Nein, das ist nicht das neueste Schmähgedicht von Jan Böhmermann auf Recep Tayyip Erdogan, sondern die Forderung aus einem Istanbuler Damensalon des Jahres 1916. Obwohl die türkische Oberschicht in Leo Falls «Die Rose von Stambul» längst westlich denkt und empfindet, bedient man in Sachen Geschlechterverhältnis...
Das Opernwelt-Jahrbuch
Wer ist «Sänger des Jahres»? Welcher Dirigent, welches Opernhaus hat sich in der vergangenen Spielzeit besonders ausgezeichnet? Am 30. September erscheint das Jahrbuch «Oper 2016» – mit den Ergebnissen unserer Kritikerumfrage, Künstlerporträts und Interviews. Außerdem: ein Gespräch mit Matti Salminen, Essays über Shakespeare im modernen...
Die Natur hat die junge Russin Margarita Gritskova mit einer Riesenstimme ausgestattet: einem Mezzosopran, fulminant in der Höhe, wie eine dunkle Glocke in der Tiefe und äußerst agil in den Auszierungen. Inzwischen singt sie in vorderster Reihe an der Wiener Staatsoper. Sie ist ein leuchtendes Beispiel für die Förderung junger Begabungen, wie sie Intendant Jochen...
