Weiße Schatten, schwarzes Licht
Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was dürfen wir hoffen? Das sind, nach Kant, die Grundfragen des auf Vernunft gegründeten Lebens. Sapere aude! – der vor 232 Jahren formulierte Appell des aufgeklärten Geistes aus Königsberg ist bis heute nicht eingelöst. Und erst recht nicht erledigt. Wie ein verdecktes Leitmotiv hallt er durch das Werk von William Kentridge. Wobei sich der 1955 in Johannesburg geborene Zeichner, Autor, Trickfilmer, Tüftler, (Opern-)Regisseur und Performer wohl kaum selbst als Kantianer bezeichnen dürfte.
Doch der Esprit des passionierten Sinnsuchers, der dem vermeintlich Gewissen, in Stein Gemeißelten schon aus Prinzip misstraut, spricht aus jedem Wort, jeder Figur und (Bild-)Geschichte seines multimedialen Œuvres.
Licht und Schatten, Hell und Dunkel, Schwarz und Weiß – das sind die Grundelemente eines seit Jahrzehnten expandierenden Kunstkosmos, den Kentridge als Speicher provisorischer Erkenntnis begreift und betreibt. Da trifft Platos Höhlengleichnis auf die Kolonialgeschichte Afrikas, der blutige Revolutionsfuror Robespierres auf die Tempelsphäre in Mozarts «Zauberflöte», die traumatische Erinnerung von Apartheid-Opfern auf den burlesk überdrehten ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Albrecht Thiemann
Herr Carreras, war die zweite und letzte Vorstellung von «El Juez» in Wien eigentlich Ihr letzter Auftritt auf der Opernbühne?
Wer sagt das?
Nun, in Ihrem offiziellen Terminkalender tauchen keine Folgeprojekte auf.
Ach, wer weiß. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, etwas in dieser Art zu singen, eine Oper, in deren Entstehung ich von Beginn an einbezogen bin, bei der...
Altkaseralm, Stoana-Alm, Asten-Alm, beschaulich klingt das und sieht auch so aus. Gegen die berühmteste Wiese der Geschichte kommen Erls erhöhte Grünflächen freilich nicht an: Rütli – schon bei Erwähnung des Areals am Vierwaldstättersee türmt sich Schweizer Geschichte vor dem inneren Auge auf. Und dennoch: Gioachino Rossinis «Wilhelm Tell», hier in der...
Am Ende des zweiten Akts von Luigi Cherubinis «Ifigenia in Aulide» sind vier Seelen in Aufruhr. Agamemnon soll seine Tochter Iphigenie opfern, damit die Göttin Diana ihm Winde schickt und seine Schiffe endlich nach Troja auslaufen können. Iphigenie will sich dem Schicksal fügen, aber Achill, ihr Verlobter, ist nicht einverstanden. Odysseus drängt, den Willen Dianas...
