Ein Fünkchen Hoffnung
Der König ist tot, es lebe der König? Beäugt man den Beginn von Strauss’ «Elektra», wird die paradoxale Sentenz sinnfällig. Denn noch bevor das erste Wort fällt, erscheint, im wuchtigen fortissimo, Agamemnon – als Tonfigur. Strauss hat ihm ein Motiv an die Hand gegeben, dessen eruptive Derbheit das gesamte Werk durchzucken wird: zwei Sechszehntel, die auf einen drei Viertel lang ausgehaltenen d-Moll-Akkord springen, wie ein Schicksalsmotiv, dem niemand entweichen kann, wie eine Idée fixe.
Stephan Kimmig gibt dem Ermordeten in Düsseldorf lebendige Formen – in Gestalt des Akrobaten Aliaksei Liubezny vom Cirque du Soleil. Im schäbig-schwarzen Anzug mit weiß geschminktem Gesicht turnt er um Elektra herum, macht virtuose Überschläge, umkreist sie als Schatten der Erinnerung. Sie selbst hat ihr mythisches Gewand abgelegt. Ein wenig gleicht Magdalena Anna Hofmann in ihrem dunkelblauen Overall (Kostüme: Anja Rabes) der taxifahrenden Automechanikerin Corky aus Jim Jarmuschs Kultfilm «Night on Earth» von 1991, die Winona Ryder damals als cool-emanzipierte furchtlos-freche Schnute mimte. Diese junge Frau war autark. Wie Elektra. Nur dass sie einen Chevrolet Caprice fuhr und keine ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jürgen Otten
In ‹Pelléas› ist nichts ein für alle Mal festgelegt; alles bleibt in einem Zustand permanenter Befragung.» Pierre Boulez’ Satz über Debussys einzig vollendete Oper könnte ebenso gut über dem Theater von Romeo Castellucci stehen. Kaum ein Regisseur der Gegenwart versteht es so radikal, Bedeutung offenzuhalten, Bilder nicht zu erklären, sondern in ihrer...
Rote Augen hat der Teufel, ganz effektvoll macht sich das im Dunkel des zweiten Akts. Vor allem aber surrt er. Wie Drohnen so sind, wenn sie hereinschweben, Angst, Schrecken (und in diesem Fall auch etwas Schulterzucken) verbreiten: bedrohliche Flugobjekte als ultimativer Grusel, während Chor und Orchester in die letzte Partitur-Steilkurve von Webers Wolfsschlucht...
Der Kapellmeister und der geigende Seeräuber vereint beim Musizieren: Als Klaus Tennstedt 1991 noch einmal nach Hamburg zum Symphonieorchester des NDR zurückkehrte, traf er auf Nigel Kennedy, der als Künstler damals noch ernst zu nehmen war. Man spielte Beethovens Violinkonzert: hier der Mann im Frack, da ein Halbstarker mit seltsamer Frisur und einem Tuch um die...
