Aussichtslos
Gott! Welch Dunkel hier! Was schon Beethovens bekleckerten Helden Florestan zutiefst bekümmerte (allerdings aus anderen Gründen und unter weit widrigeren Umständen), muss auch der Gast sich denken, der Anna Dreschers «Rigoletto»-Inszenierung in Tatjana Ivschinas Ausstattung im Badischen Staatstheater ansichtig wird.
Viel Hoffnung gewährt das Regieteam uns nicht, schon zu Beginn, beim Fest im Hause Ceprano, ist kaum etwas zu sehen von dem Geschehen vor dem häss -lichen stählernen Rund, das als Fassade des (im Libretto) prächtigen Palastes dient; immerhin so viel, dass die Botschaft klar wird: Eine bürgerlich-dekadente Spaßgesellschaft ist das hier wohl eher nicht. Sondern eine Truppe von ziemlich zynischen und verrohten Typen, die der Ennui längst eingesackt hat. Das Gelächter klingt hohl, die Mienen sind leergespült und finster, von Benehmen irgendeiner Art keine Spur. Was man auch daran erkennen kann, dass diese ungehobelten Kerle sich nicht einmal für die beiden übereinandergestapelten Frauenleichen interessieren, die vorn an der Rampe liegen. Tja, so ist das Leben: Wo getötet wird, fällt eben hier und da auch mal menschlicher Müll an.
Die Regie bleibt sich in diesem Pessimismus ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Jürgen Otten
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