Aus, der Blütentraum

Magdeburg: Bizet: Carmen

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Gibt es in «Carmen» noch etwas zu entdecken? Ja, sagt Kristina Wuss mit ihrer Magdeburger Inszenierung, ohne deswegen zu plakativen Vereinfachungen, gar zum aktualisierenden Holzhammer zu greifen. Selten hat man eine «Carmen» gesehen, die so genau Milieu und Atmosphäre der Begegnung von Carmen und Don José ausleuchtet.

Lukas Nolls Drehbühne schafft mit ineinander verschachtelten, von der Regie beredt genutzten Raum-Elementen zugleich Platz für emblematische Zeichen – eine abgebrochene Häusersilhouette, ein altmodischer Camion über Lilla Pastias Schmugglerkneipe, eine El Greco-Madonna (Josés Mutter lässt grüßen!) als Zwischenvorhang im Schmugglerakt, schließlich ein Eisberg im Schlussbild.

Kristina Wuss bevölkert die ins Spanien der 1920er Jahre weisenden Kulissen mit überbordender Detailfülle – gelangweilten Wachsoldaten, pfiffigen Gassenjungen, aggressiven Zigarettenarbeiterinnen, wichtigtuerischen Schmugglern – und zeigt mit stimmiger Choreografie, dass «Carmen» eine Choroper ist. Sie reichert die realistisch getönten Massenszenen durch hinzuerfundene Figuren an – eine alte Pförtnerin, junge Asylantinnen, eine Romafamilie, zwei Nonnen, eine Geigerin, eine Akkordeonspielerin –, ja ...

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Opernwelt März 2010
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Uwe Schweikert

Vergriffen
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