Editorial

Opernwelt - Logo

Zu DDR-Zeiten war die Sächsische Staatskapelle geradezu ein Mythos. Karajan kam, Kleiber kam. VEB Deutsche Schallplatten und EMI produzierten billig, aber hochwertig an der Elbe. Der dunkle, deutsche Klang; die von Wagner sogenannte «Zauberharfe»; die 450 Jahre umspannende Tradition usw. usw. Nach der Wende hat das Orchester sein Niveau gehalten, was vor allem dann zu hören war, wenn (wie oft) zweit- und drittklassige Kapellmeister im Graben standen. Das Ergebnis war unendlich viel besser als das, was da irgendjemand fuchtelte.

Giuseppe Sinopoli brachte dann viel mediales Licht, hat aber mit seiner Schlagtechnik auch viele verunsichert. Nach seinem plötzlichen Tod 2001 war Christian Thielemann als Nachfolger im Gespräch, fiel allerdings bei der Abstimmung der Musiker ebenso durch wie die Mitbewerber Daniele Gatti und Myung-Whun Chung. Dass sich ein Orchester dieses Ranges auf Fabio Luisi einließ, war schwer verständlich. Geradezu lächerlich wurde es, als der Neue mit viel Werbegetöse in die große Traditionslinie der Staatskapelle eingemeindet werden sollte. Von Schütz und Carl Maria von Weber bis...
Luisi ist ein kluger Mann, der sich im Radio dezidiert zu Sachthemen äußern kann ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2010
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der depravierte Führer

Der Anfang ist apart. Während die Musik Takt für Takt  zur Besinnung (und richtigen Intonation) gelangt, erleben wir auf der Bühne die Vision einer Vision. Sie spielt in einem opulenten Arbeitszimmer, das den Blick panoramagleich freigibt auf eine Landschaft aus schneebedeckten Bergen. Über allen Gipfeln Ruh’, vitalisierte Luft, Obersalzberg, das Gefühl von...

Sabine Henze-Döhring: Markgräfin Wilhelmine und die Bayreuther Hofmusik



Rund zwanzig Jahre lang blühte im barocken Bayreuth die Hofmusik. 1737 wurden die ersten Musiker verpflichtet, 1756 marschierte Friedrich II. in Sachsen ein, der Siebenjährige Krieg begann. Zwei Jahre später starb Wilhelmine, seine Schwester: jene Frau, der der Aufschwung in der markgräflichen Provinz zu verdanken ist. In ihrem neuen Buch beleuchtet Sabine...

Eingesargt

Von allen großen Opern, die das Etikett «Komödie» tragen, dürfte Gaetano Donizettis «Don Pasquale» die melancholischste sein. Gefährlich dünn ist in dem 1843 uraufgeführten Werk der Firnis der Lustigkeit; am Ende bleibt von dem Versuch des alten Mannes, Leben und Jugend nachzuholen, nur ein bitteres «zu spät». Im Opernhaus merkt man davon leider meist nichts: Statt...