Die zarte Seele, noch im kannibalistischen Exzess
«... und wir Männer ersehen aus diesem Stücke, wie wir durch die Weiber, im günstigsten Falle, zu Grunde gehn.» Mit diesem ironisch-zynischen Resümee beschließt Heinrich Heine in den «Memoiren des Herrn von Schnabelewopski» die Geschichte vom Fliegenden Holländer, die Wagner zu seiner gleichnamigen «Romantischen Oper» inspirierte.
Heines wahrlich witziges Paradoxon setzte, fröhlich frivol, ein Thema, das im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert zur Basis unerhörter Düsternisse und Schrecknisse, auch ästhetischer Herrlichkeiten wurde: der Liebestod, zumal des Mannes, als Erlösung im und vom Geschlechterkampf, gesteigert noch bei Otto Weininger zum «Geschlechter»-, «Frauen»- und «Selbsthass». Zur romantischen Vision von «reiner Liebe» und «hohem Paar» gehörte auch die Negation, der Abgrund des Hasses, in den die Liebesraserei umschlägt. Solch krasser Rollen-Antagonismus ersetzte das lange obligate Bild der Frau als passiv-madonnenhafte Märtyrerin: Lucia, Violetta, Mimì, Elisabeth. Konterkariert wurde dieses Idol freilich durch die «femme fatale», die sich und anderen den Tod bringt: Carmen, Salome, Marie, Lulu.
Doch das Motiv des Hassliebe-Duells hat in Schauspiel, Oper und Film ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schon die Gattungsbezeichnung überraschte: Eine «Konzertoper» nannte Hans Werner Henze sein (vielleicht?) finales Musiktheaterwerk, das er komponierte, obwohl er zuvor glaubhaft versichert hatte, «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe», 2003 in Salzburg uraufgeführt, sei seine letzte Oper. Dass dieser «Wortbruch» sich als glückliche Fügung erwies, wurde...
Beschaut man das (Kunst)Werk und weiß um die Umstände seiner Entstehung, fühlt man sich unweigerlich an jenen berühmten Satz von Albert Camus erinnert, der das Wesen des Existenzialismus in exemplarischer Form idiomatisierte: «Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen», so endet Camus’ maßstabsetzendes Buch «Der Mythos von Sisyphos». Im...
Walter Braunfels (1882-1954) gehörte – neben Richard Strauss und Franz Schreker – zu den erfolgreichsten Komponisten der Weimarer Republik. Seine Aristophanes-Oper «Die Vögel», 1920 von Bruno Walter in München uraufgeführt, stand in den folgenden Jahren u. a. in Berlin, Stuttgart, Hamburg und Wien auf dem Spielplan. Im NS-Staat wurde Braunfels als «Halbjude» sofort...
