Uraufführung des Jahres
Schon die Gattungsbezeichnung überraschte: Eine «Konzertoper» nannte Hans Werner Henze sein (vielleicht?) finales Musiktheaterwerk, das er komponierte, obwohl er zuvor glaubhaft versichert hatte, «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe», 2003 in Salzburg uraufgeführt, sei seine letzte Oper. Dass dieser «Wortbruch» sich als glückliche Fügung erwies, wurde spätestens bei der Uraufführung der «Phaedra» an der Berliner Lindenoper deutlich. Gegen die angestrengt originelle Inszenierung von Peter Mussbach setzte sich Henzes leuchtende Klangsprache mühelos durch.
Noch einmal zeigte sich, über welch narrative Energien
Henzes Musiktheater gebietet und mit welch jugendlicher Verve sich der jetzt 82-Jährige dem Verdacht entzog, ein routiniertes Alterswerk als klingendes Vermächtnis vorzulegen. Henzes «Phaedra» wirkt luftig, progressiv, die Oper atmet – nicht zuletzt wegen des gemäßigt modernen, den Mythos nicht beschädigenden Librettos des Lyrikers Christian Lehnert – die Lust am Dialogischen, an der allumfassenden Welt- und Menschen- und Götterbeschreibung. Ausgehend von der Liebesverweigerung Hippolyts entwickelten Henze und Lehnert, virtuos im Umgang mit dem klanglichen wie ...
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