Die zarte Pflanze Glück
Man sah es an und rieb sich leicht verwundert die Augen. Auf den Plakaten des Festivals d’Aix-en-Provence, die den Besucher schon am Stadteingang auf das musiktheatralische Großereignis hinwiesen, fand sich ein Kunstwerk annonciert, das viele, zumindest unter diesem Titel, nicht kennen. «L’Opéra de quat’sous». Très chic, apart, wohlklingend. Und von Logik zumindest angeweht: Im Französischen beschreibt der Begriff «quat’sous» etwas, das nicht viel kostet.
Eine getreuliche Übersetzung des Kunstwerks, von dem hier die Rede geht, ist allerdings nur bedingt möglich – die Briten sind diesbezüglich präziser, sie nennen die «Dreigroschenoper» von Bertolt Brecht und Kurt Weill «The Threepenny Opera». Aber das nur am Rande, als Prolog …
Nun zum eigentlichen Theater: Im Kern sollte es – im 75. Jahr des Festivals – eine fulminante Eröffnung werden mit «L’Opéra de quat’sous». Pierre Audi hatte sich schon seit Langem gewünscht, dass Thomas Ostermeier, der in Theater-Frankreich einen guten Ruf genießt, endlich mal eine «Oper» inszeniert; schließlich sei er nicht der erste Schauspielregisseur, der sich auf dieses Terrain wagen würde. Mit einiger Überredungskunst gelang es dem findigen ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten, Peter Krause
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Mit dem Libretto von Alice Goodman war wohl der Komponist von «Nixon in China» – der nicht gerade mit geringem Selbstbewusstsein beschenkte John Adams – nicht sehr zufrieden. Tatsächlich knarzt es im Text hier und da doch gewaltig hölzern und gewollt. Sicher, das Stück ist selbst ja schon als eine Farce angelegt, die der politischen Situation zwischen den USA und...
