Die zarte Pflanze Glück
Man sah es an und rieb sich leicht verwundert die Augen. Auf den Plakaten des Festivals d’Aix-en-Provence, die den Besucher schon am Stadteingang auf das musiktheatralische Großereignis hinwiesen, fand sich ein Kunstwerk annonciert, das viele, zumindest unter diesem Titel, nicht kennen. «L’Opéra de quat’sous». Très chic, apart, wohlklingend. Und von Logik zumindest angeweht: Im Französischen beschreibt der Begriff «quat’sous» etwas, das nicht viel kostet.
Eine getreuliche Übersetzung des Kunstwerks, von dem hier die Rede geht, ist allerdings nur bedingt möglich – die Briten sind diesbezüglich präziser, sie nennen die «Dreigroschenoper» von Bertolt Brecht und Kurt Weill «The Threepenny Opera». Aber das nur am Rande, als Prolog …
Nun zum eigentlichen Theater: Im Kern sollte es – im 75. Jahr des Festivals – eine fulminante Eröffnung werden mit «L’Opéra de quat’sous». Pierre Audi hatte sich schon seit Langem gewünscht, dass Thomas Ostermeier, der in Theater-Frankreich einen guten Ruf genießt, endlich mal eine «Oper» inszeniert; schließlich sei er nicht der erste Schauspielregisseur, der sich auf dieses Terrain wagen würde. Mit einiger Überredungskunst gelang es dem findigen ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Jürgen Otten, Peter Krause
Hier ende die vom Maestro unvollendet gelassene Oper, weil der Maestro an dieser Stelle gestorben sei. So die Worte, die Arturo Toscanini dem perplexen Publikum der Mailänder Scala am Ende der Uraufführung von Giacomo Puccinis «Turandot» zugerufen haben soll. Nach dem Opfertod der standhaften Dienerin Liù hatte der Dirigent den Taktstock niedergelegt. Er tat dies...
Frau Garanča, wie viele Sprachen beherrschen Sie eigentlich?
Sechs.
Und warum sprechen Sie so bestechend gut Deutsch?
Deutsch habe ich in Deutschland gelernt. 1999, als ich ans Staatstheater Meiningen kam. Gezwungenermaßen, würde ich fast sagen. Da musste ich mir Deutsch beibringen. Nicht, dass ich gezwungenermaßen nach Meiningen kam! (lacht) Ich war ja sozusagen...
Seit der Antike weiß man es: «Habent sua fata libelli» – Bücher haben ihr Schicksal. Ein Schicksal haben auch Opern. Und selten ein gutes, wenn sie berühmten Büchern folgen. Als Lorin Maazels «1984» vor 18 Jahren an Londons Covent Garden uraufgeführt wurde, fielen die Kritiken ungnädig aus. Man stieß sich an U-musikalischen Einsprengseln, daran, dass die Oper nicht...
