Editorial
Die Wiege der Oper steht bekanntlich in Italien. Als Monteverdis «L’Orfeo» am Hof von Mantua über die Bühne ging, florierten Musik, Literatur und bildende Kunst in den Palazzi zwischen Florenz, Rom und Neapel – und befruchteten sich wechselseitig. Schon bald wurde überall in Europa Oper gespielt, und bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts dominierte die italienische Seria das Geschehen. Goldene Zeiten, vergangene Zeiten. Heute spielt Italien als Musiknation nur noch eine marginale Rolle. Wehmütig erinnert man sich an längst liquidierte Klangkörper.
An das Orchester der RAI zum Beispiel, mit dem viele Aufnahmen entstanden, die in die Schallplattengeschichte eingegangen sind. Und fassungslos müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass legendäre Opernhäuser wie La Fenice in Venedig, San Carlo in Neapel oder das Carlo Felice in Genua in den finanziellen und künstlerischen Ruin getrieben werden. Wenn die Berlusconi-Regierung ihre (auch für Museen und antike Stätten brisante) Kaputtsparstrategie fortsetzt, ist selbst für die Mailänder Scala Schlimmstes zu befürchten. Auf rund fünfzig Millionen Euro, so schätzen Experten, beläuft sich die Unterdeckung der (weitgehend aus öffentlichen Mitteln ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Musikalisch, stilistisch und dramatisch hat Puccini in «Il trittico» drei verschiedene, in sich schlüssige Welten entworfen. Jeder dieser Einakter könnte auch ohne die beiden anderen bestehen. Ein Haus, das alle Stücke an einem Abend zeigt, lässt sich so auf eine künstlerische Herausforderung ein, die der einer «Ring»-Inszenierung kaum nachsteht. In Los Angeles...
Wer sich auf eine Expedition ins Innere von Chaya Czernowins «Pnima»-Partitur einlässt, stößt erst einmal auf drei eng bedruckte Seiten Spielvorschriften. Gut fünfzig Sonderzeichen und rund zwei Dutzend Kürzel, dazu Erläuterungen zu Dynamik, Lautbildung, Klangfarben und Tonhöhen benötigt die israelische Komponistin, um ihre Klangvorstellungen auf Notenpapier...
Bereits zu ihrer Entstehungszeit wurde Vincenzo Bellinis vierte Oper «La straniera» kontrovers aufgenommen: Während das Drama um eine untergetauchte Franzosenkönigin («Die Fremde») den Geschmack des Publikums traf, das nach bizarren mittelalterlichen Schauergeschichten dürstete, bemängelten die Kritiker die Kurzatmigkeit der melodischen Empfindung. Letzteres lag...
