Editorial
Die Wiege der Oper steht bekanntlich in Italien. Als Monteverdis «L’Orfeo» am Hof von Mantua über die Bühne ging, florierten Musik, Literatur und bildende Kunst in den Palazzi zwischen Florenz, Rom und Neapel – und befruchteten sich wechselseitig. Schon bald wurde überall in Europa Oper gespielt, und bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts dominierte die italienische Seria das Geschehen. Goldene Zeiten, vergangene Zeiten. Heute spielt Italien als Musiknation nur noch eine marginale Rolle. Wehmütig erinnert man sich an längst liquidierte Klangkörper.
An das Orchester der RAI zum Beispiel, mit dem viele Aufnahmen entstanden, die in die Schallplattengeschichte eingegangen sind. Und fassungslos müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass legendäre Opernhäuser wie La Fenice in Venedig, San Carlo in Neapel oder das Carlo Felice in Genua in den finanziellen und künstlerischen Ruin getrieben werden. Wenn die Berlusconi-Regierung ihre (auch für Museen und antike Stätten brisante) Kaputtsparstrategie fortsetzt, ist selbst für die Mailänder Scala Schlimmstes zu befürchten. Auf rund fünfzig Millionen Euro, so schätzen Experten, beläuft sich die Unterdeckung der (weitgehend aus öffentlichen Mitteln ...
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Der Verdi des kleinen Mannes «Puccini ist der Verdi des kleinen Mannes, und Léhar ist dem kleinen Mann sein Puccini.» Mit diesem bissigen Bonmot hat Kurt Tucholsky 1931 in der «Weltbühne» mit Léhar auch Puccini der intellektuellen Verachtung preisgegeben. Er hätte sich dabei auf die kompakte Majorität der Fachleute berufen können – Gustav Mahler etwa, der «Tosca»...
Im August 1989, wenige Wochen nach Karajans Tod, fand das erste von der Universität Salzburg in Zusammenarbeit mit den Festspielen organisierte Symposion statt; das Thema waren die «Antiken Mythen im Musiktheater des 20. Jahrhunderts», Anlass war die «Elektra»-Produktion jenes Jahres. Das Konzept – eine Inszenierung oder ein Programmschwerpunkt der Festspiele als...
Frau Michael, mit welcher der beiden «Tannhäuser»-Frauen können Sie sich eher identifizieren?
Die Venus habe ich schon oft gesungen, aber ich hatte dabei seltsamerweise nie das Gefühl, diese Figur auch menschlich zu begreifen. Das passiert erst jetzt: Seit ich die Elisabeth studiere, merke ich, dass beide Figuren in Wirklichkeit eine einzige Frau sind, die nur in...
