Editorial

Die Wiege der Oper steht bekanntlich in Italien. Als Monteverdis «L’Orfeo» am Hof von Mantua über die Bühne ging, florierten Musik, Literatur und bildende Kunst in den Palazzi zwischen Florenz, Rom und Neapel – und befruchteten sich wechselseitig. Schon bald wurde überall in Europa Oper gespielt, und bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts dominierte die italienische Seria das Geschehen. Goldene Zeiten, vergangene Zeiten. Heute spielt Italien als Musiknation nur noch eine marginale Rolle. Wehmütig erinnert man sich an längst liquidierte Klangkörper.

An das Orches­ter der RAI zum Beispiel, mit dem viele Aufnahmen entstanden, die in die Schallplattengeschichte eingegangen sind. Und fassungslos müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass legendäre Opernhäuser wie La Fenice in Venedig, San Carlo in Neapel oder das Carlo Felice in Genua in den finanziellen und künstlerischen Ruin getrieben werden. Wenn die Berlusconi-Regierung ihre (auch für Museen und antike Stätten brisante) Kaputtsparstrategie fortsetzt, ist selbst für die Mailänder Scala Schlimmstes zu befürchten. Auf rund fünfzig Millionen Euro, so schätzen Experten, beläuft sich die Unterdeckung der (weitgehend aus öffentlichen Mitteln ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2008
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gemeinsam einsam

Küsse, Bisse, das reimt sich», rechtfertigt sich Kleists Penthesilea. Auch in Rossinis Racine-Adaption «Ermione» wird zwölf Jahre später aus frustrierter Liebe zugebissen. Die Verlobte des Pyrrhus besteht auf Einhaltung des Eheversprechens, obwohl der Sohn des Achill inzwischen Hektors Witwe Andromache nachstellt. Ermione, eine Femme fatale, wie sie im Buche steht,...

Die künstliche Mutter

Diesem Gott darf man nicht trauen: Keine Heils­gestalt, sondern heimtückischer Anführer einer Sex-Sekte ist der Dionysos, der im bedrückten Theben auftaucht. Und der verheißungsvoll morgendämmernde Schluss von Hans Werner Henzes «Bassariden», seinem wohl bedeutendsten Bühnenwerk, markiert nichts anderes als den Wechsel von politischer Instabilität zur Grabesruhe...

Apropos... Tannhäuser

Frau Michael, mit welcher der beiden «Tannhäuser»-Frauen können Sie sich eher identifizieren?
Die Venus habe ich schon oft gesungen, aber ich hatte dabei seltsamerweise nie das Gefühl, diese Figur auch menschlich zu begreifen. Das passiert erst jetzt: Seit ich die Elisabeth studiere, merke ich, dass beide Figuren in Wirklichkeit eine einzige Frau sind, die nur in...