Herzschmerz im Paradies
Er wollte eigentlich nur eine Hausaufgabe für die Sommerferien von seinem Kompositionsprofessor erbitten, doch dann überreicht Jules Massenet seinem gerade einmal 17-jährigen Lieblingsstudenten Reynaldo Hahn gleich ein veritables Opernlibretto, die Bühnenfassung eines Erfolgsromans von Pierre Loti. Drei Jahre quält sich der angehende Komponist mit der Arbeit an der Partitur, doch Massenet zeigt sich so zufrieden mit dem Ergebnis, dass er «L’île du rêve» sogar an die Opéra Comique vermittelt. 1898 findet die Uraufführung statt, neunmal wird der Einakter des Debütanten gespielt.
Wenn die Stiftung Palazzetto Bru Zane jetzt das Jugendwerk als 26. Veröffentlichung in seiner noblen Buch-mit-CD-Reihe zur «Opéra français» vorstellt, kann man das Werk eines Hochbegabten entdecken. Dessen Stärken allerdings definitiv nicht im Musiktheatralischen liegen. Im Briefwechsel mit seinem Freund Édouard Risler erklärt Hahn immer wieder, wie schwer es ihm falle, die gestellte Aufgabe zu bewältigen. «Ich werde mich jetzt zwei Wochen davon ausruhen», kündigt er im August 1891 an, «indem ich jede Menge Lieder und Klavierstücke schreibe». Diese kleinen Formen sollten dann tatsächlich zur Spezialität des ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Frederik Hanssen
In Stendhals «Vie de Rossini» von 1823 steht der Satz «Réfléchir sur les beaux-arts, fait sentir» – Nachdenken über die schönen Künste macht fühlen. Der Gedanke könnte vom Publizisten Uwe Schweikert stammen, von 1971 bis Ende 2003 Lektor des Metzler-Verlags, seit 1992 dort verantwortlich für ein exquisites Musikprogramm, und seit vielen Jahren Mitarbeiter der...
Mozart schrieb sein einziges Oratorium «Betulia liberata» im Frühsommer 1771 zwischen der ersten und zweiten Italienreise. Der Auftrag kam aus Padua, dort wurde das Werk aber nie aufgeführt. Das über 50 Mal, zuletzt 1821 von Antonio Salieri vertonte Libretto der für die Karwoche bestimmten «Azione sacra» stammt von Metastasio. Der vielfach in Literatur, Malerei und...
Corona stellt insbesondere musikstudierende Personen vor große Herausforderungen. Ich bin Dirigierstudent im vierten Semester Bachelor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden und Komponist. Vor allem das Dirigierstudium ist von den Einschränkungen betroffen, da eine Abhängigkeit von einem großflächigen Kontakt mit Menschen durch das Orchester...
