Die Oper im Kopf
Immerwährender Fall einer Selbstüberprüfung, auch einer Selbsteinschüchterung. Fällt der Name Klaus Michael Grüber, geht man stets aufs Neue in sich, gerät ins Nachdenken, ob sein heutiger Regie-Minimalismus nicht die wiedergefundene Einfachheit einer Regielegende von ehedem sein könnte. Aufs Neue indessen auch die – bei seinesgleichen zögernde – Antwort: eher nicht. Beim Zürcher «Doktor Faust», der dritten Arbeit dort in Jahresfrist, dekretierte er: Die Oper ist ein Traum, sie begibt sich im Kopf des Helden.
Das scheint in der jüngeren Interpretationsgeschichte allerdings zum Allheilmittel für Ferruccio Busonis Opus magnum geworden zu sein.
Prägend ist Eduardo Arroyos Studierzimmer und Labor mit Regalen über Regalen, darin Flaschen und Gläser aller Formen und Farben und sonder Zahl: Faust kommt auf seiner Fantasiereise durch die Jahrhunderte aus seinem angestammten Raum nicht heraus. Er ist ihm – nur durch ein Neonkreuz markiert – das Münster, er ist ihm – nur durch etwas Lüsterluxus drapiert – der Hof zu Parma, und er ist ihm Wittenberg, wo sein strebender Lebensgang ein fatales Ende nimmt. Wenn’s mit ihm bergab geht, sind die Regale mit Altmobiliar, mit aussortierten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Offenbar geht es Hans Werner Henze, der den langen Weg vom Außenseiter und Abweichler zum Altmeister ausgeschritten ist, um die einzige Provokation, die heute noch bleibt: die der Schönheit. Mit seinem jüngsten Bühnenwerk – «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe» – hat der längst in die Aura esoterischen Ruhms gehüllte Kunstfürst seine «Zauberflöte» geschaffen....
Wenn er daherkäme wie Hans Pfitzners Palestrina in der Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff 1999, niemand könnte ihm böse sein: der Intendant als resignierter Romantiker im öffentlich-kommunalen Musikbetrieb. Zehn Jahre ist Tobias Richter nun in Düsseldorf, und schon die Bedingungen zu seiner Amtsübernahme waren keineswegs dazu angetan, ihn zum Strahlemann der...
Eigentlich hatte Markus Stenz ideale Bedingungen, um der Kölschen Wagner-Gemeinde zu zeigen, was eine echte «Lohengrin»-Harke ist. Das singende Personal stand meist reglos auf der Bühne herum, die Augen strikt auf den Maestro und ins Auditorium gerichtet: Elsa, das blonde, blütenweiß drapierte Burgfräulein; Lohengrin, der nett frisierte Silberritter aus dem...
