Musik über Musik

Jürgen Kesting über die deutsche Erstaufführung von Henzes «L’Upupa» in Hamburg

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Offenbar geht es Hans Werner Henze, der den langen Weg vom Außenseiter und Abweichler zum Altmeister aus­geschritten ist, um die einzige Provoka­tion, die heute noch bleibt: die der Schönheit. Mit seinem jüngsten Bühnenwerk – «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe» – hat der längst in die Aura esoterischen Ruhms gehüllte Kunstfürst seine «Zauberflöte» geschaffen. So hat Simone Young die am 12.

August 2003 in Salzburg uraufgeführte Oper denn auch bei der deutschen Erstaufführung in den Mittelpunkt der Hamburger Mozartwochen gestellt, was einige ewige Nörgler zu sagen veranlasste, sie seien mit der ers­ten «Zauberflöte» völlig zufrieden.
Es ist ein Märchenspiel mit Motiven aus dem Morgenland und, obwohl im Untertitel als «deutsches Lustspiel» bezeichnet, ein Werk, dessen Lustigkeit durchaus abgründig ist. Die Anregung bekam Henze durch einen Wiedehopf (italienisch: Upupa), den er bisweilen im Garten seines Hauses in Marino beobachten konnte. Durch den Vogel wurde er – für Altmeister verwandelt sich das scheinbar Alltägliche eben ins Mythische – auf ein syrisches Märchen von einem Glücksvogel gelenkt, der den Menschen entflieht, zurückgeholt und dann doch in die Freiheit entlassen ...

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Opernwelt November 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Jürgen Kesting

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