Wagner: Lohengrin
Eigentlich hatte Markus Stenz ideale Bedingungen, um der Kölschen Wagner-Gemeinde zu zeigen, was eine echte «Lohengrin»-Harke ist.
Das singende Personal stand meist reglos auf der Bühne herum, die Augen strikt auf den Maestro und ins Auditorium gerichtet: Elsa, das blonde, blütenweiß drapierte Burgfräulein; Lohengrin, der nett frisierte Silberritter aus dem Groschenheft; Ortrud, die fiese Lady im Grufti-Look; Friedrich von Telramund, das Weichei, das nichts auf die Reihe bringt; König Heinrich, ein blasser Krönchenträger in Samt und Kettenhemd, der bloß seine Ruhe haben will; die sächsisch-thüringisch-brabantischen Mannen nebst Edelfrauen und Kinderschar – sie alle gefrieren, sobald es aus dem Graben tönt (also beständig), zu pausbäckigen tableaux fixes.
Gleichwohl war bereits während des Vorspiels zu ahnen, dass Kölns Opern-GMD das spezifische Gewicht der «Lohengrin»-Partitur, ihr eigentümliches Schwanken zwischen ätherischen Sensualismen und Fanfarendonner, progressiver Mischharmonik und formelhaftem Blechpathos mit dem Gürzenich-Orchester allenfalls ungefähr würde ermessen können. Mit seinem Dirigat schien Stenz die These zu vertreten, dass die lichte Klangwelt der ...
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