Die neue Freiheit
Meisterklasse heißt: Da melden sich junge ausgebildete Sänger an, um von einem Meister ihres Faches Anregungen und Hilfe zu bekommen. Eine Meisterin besonderer Art hatte das Nationaltheater Mannheim während seiner vierten Mozartwoche eingeladen: Christa Ludwig. Vor zehn Jahren gab sie ihre legendäre Abschiedstournee. Seither widmet sie sich dem sängerischen Nachwuchs. Im Zentrum ihres Interesses steht der Ausdruck: «Das Schwierige bei vielen jungen Sängern ist, dass sie sich nicht trauen, Emotionen zu zeigen.
Dabei ist Singen doch eine erotische Angelegenheit! Dazu muss man einfach etwas älter sein», erzählt sie in Mannheim.
Erotisch, klangüppig, so war die Stimme der Christa Ludwig. Unvergleichlich die unsicher-drängende Sinnlichkeit ihres Cherubino, die Erregung ihres Fidelio. Christa Ludwig hat mit einem souveränen Klanggefühl ihre Stimme durch lange Arbeit geformt. Geboren wurde sie in Berlin, studiert hat sie bei ihrer Mutter, der Altistin Eugenie Besalla. «Ich war vielleicht so achtzehn Jahre alt – da sang ich Vertonungen von Rilke, und ich habe absolut nichts verstanden! (lacht) Da sagte mir meine Mutter, in solchen Fällen müsse ich den Text ganz besonders deutlich ...
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