Die neue Freiheit

Nach dem Ende ihrer Karriere lebt Christa Ludwig ein ganz anderes Leben. Auch für den Sängernachwuchs hat sie jetzt mehr Zeit. Zum Beispiel bei einer Meisterklasse in Mannheim.

Opernwelt - Logo

Meisterklasse heißt: Da melden sich junge ausgebildete Sänger an, um von einem Meister ihres Faches Anregungen und Hilfe zu bekommen. Eine Meisterin besonderer Art hatte das Nationaltheater Mannheim wäh­rend seiner vierten Mozart­woche eingeladen: Christa Ludwig. Vor zehn Jahren gab sie ihre legendäre Ab­schiedstour­nee. Seither widmet sie sich dem sängerischen Nachwuchs. Im Zentrum ihres Interesses steht der Ausdruck: «Das Schwierige bei vielen jungen Sängern ist, dass sie sich nicht trauen, Emotionen zu zeigen.

Dabei ist Singen doch eine erotische Angelegenheit! Dazu muss man einfach etwas älter sein», erzählt sie in Mannheim.
Erotisch, klangüppig, so war die Stimme der Christa Ludwig. Unvergleichlich die unsicher-drängende Sinnlichkeit ihres Cherubino, die Erregung ihres Fidelio. Christa Ludwig hat mit einem souveränen Klanggefühl ihre Stimme durch lange Arbeit geformt. Geboren wurde sie in Berlin, studiert hat sie bei ihrer Mutter, der Altistin Eugenie Be­salla. «Ich war vielleicht so achtzehn Jahre alt – da sang ich Vertonungen von Rilke, und ich habe absolut nichts verstanden! (lacht) Da sagte mir meine Mutter, in solchen Fällen müsse ich den Text ganz besonders deutlich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2005
Rubrik: Retrospektive, Seite 70
von Thomas Rothkegel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Chanson d'amour

Glückliches Frankreich! Dort kommen seit geraumer Zeit viele der großen Operettenaufnahmen der fünfziger und sechziger Jahre aus den Archiven des französischen Rundfunks als attraktive Doppel-CDs heraus – mit Stars wie Maurice Chevalier, Suzanne Lafaye oder Linda Dachary in den Hauptrollen und vertrieben durch Universal France. In jedem Booklet wird zudem Werbung...

Gib dem Affen Zucker

Eigentlich hätte es umgekehrt sein müssen: Rigoletto ist der Affe, der, dem Protagonisten in Kafkas «Bericht für eine Akademie» ähnlich, einem Herzog von Mantua und seinen Hofschranzen den Spiegel vorhält, der zugleich kritischer Geist und Teil des Systems, Opfer und Täter ist. Doch Doris Dörrie wollte für das angeblich neu zu gewinnende Zielpublikum der Zwanzig-...

Schubert & Co.

Im Sommer hat das Haus Kettenbrückengasse Nr. 6, in dem Franz Schubert 1828 verstorben war und wo er davor unter anderem an der «Winterreise» gearbeitet hatte, etwas spitzweghaft Romantisches, atmet das Flair eines «alten Wien» aus dem Bilderbuch. Im Winter nun ist alles grau. Krähen sind auch da. Zwar werfen sie keine «Bäll’ und Schloßen» auf meinen Hut, doch der...