Die lyrische Mitte
«Über Gesangstechnik konnte man wunderbar mit Mirella Freni sprechen. Da war sie ganz bei sich, wirkte wie beflügelt. Sie erzählte, wie sie ihre Naturstimme erst im Laufe der Jahre wirklich kennengelernt habe, wie sie dieses Instrument im Körper nach und nach erforschte. Ton für Ton und Phrase für Phrase einer Partie müsse man langsam und sorgsam erarbeiten, Stimme und Körper Zeit geben, das umzusetzen, genauer: zu übersetzen in die eigenen physiologischen Gegebenheiten.
Und bei vertrauten Partien komme es darauf an, diese Dinge immer wieder neu zu justieren: «Stimme und Körper, die Muskeln verändern sich. Für manche Töne muss man eine neue Position finden. Das sind oft Winzigkeiten, aber sie sind entscheidend.»
Dieser Arbeit mit und an der Stimme hat Mirella Freni ihr Leben geweiht. Eine einsame Arbeit, wie sie selbst sagte, aber auch eine beglückende. Es ging dabei nicht um äußeren Erfolg, Karriere, Rampenlicht. Auch nicht um das exzessive Ausleben von Bühnenfiguren. Vielmehr um ein In-Sich-Hineinhorchen, um eine hochgespannte Sensibilität, um die nie endende Suche nach dem schönen, runden, authentischen Ton: jenem Ton, bei dem sich Gesangstechnik und Ausdruck wie ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Abschied, Seite 34
von Stephan Mösch
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Auf dem Dach der gerade für 50 Millionen Euro sanierten Gemäldegalerie Alte Meister prangt jetzt eine Leuchtreklame: Aus pinkfarbenen Neonröhren wurden die Silhouetten der putzigen Putten nachgebildet, die man vom berühmtesten Bild der Dresdner Sammlung kennt, Raffaels «Sixtinischer Madonna». Darauf die zwei Engelchen lässig am unteren Bildrand lümmeln.
Die...
Ach, wie ist die Welt so trist: «Die Weiden lassen matt die Zweige hängen, / Und traurig ziehn die Wasser hin: /Sie schaute starr hinab mit bleichen Wangen, / Die unglückselige Träumerin.» Titus Ulrichs trübsinnige Verse unter dem Titel «Herzeleid» regten Robert Schumann zu einem seiner schönsten Lamenti an. Auf dem zweiten Album von Hanna-Elisabeth Müller und...
