Zum Davonfliegen
Zumindest für Science-Fiction-Freunde hält der Erfurter «Lohengrin» ein paar Augenblicke Kurzweil bereit. Dann nämlich, wenn man das Plündern einschlägiger Genrefilme, das Regisseur Hans-Joachim Frey und sein Ausstatter Hartmut Schörghofer so unbekümmert wie wenig durchdacht betreiben, zum Anlass für ein heiteres Zitate-Raten nimmt. «Metropolis», «Raumpatrouille Orion», «Starship Troopers» – vom Klassiker bis zum Trash ist alles dabei.
Mehr ist dieser Erfurter Inszenierung, die mit Videoprojektionen nicht geizt (Marc Löhrer) und dabei keine Peinlichkeit ausspart, allerdings kaum abzugewinnen. Auch musikalisch nicht, einmal davon abgesehen, dass Uwe Stickert als Lohengrin und Margrethe Fredheim als Elsa im dritten Aufzug doch noch zu passablem Wagner-Gesang finden.
Anfangs besteht noch Grund zur Zuversicht: Die zu den auratischen Klängen des Vorspiels dargestellte Geschichte von Gottfrieds Verschwinden fasst Nietzsches Wort von einer Musik, die «von opiatischer, narkotischer Wirkung» sei, in stimmungsvoll ausgeleuchtete Bilder. Doch bereits bei den zwar akkuraten, aber wenig atmosphärischen Lichtgemälden der Streicher gibt Dirigent Myron Michailidis eine Marschroute vor, von der ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Werner Kopfmüller
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Eine «komponierte Interpretation» hat Hans Zender seine 1993 entstandene Version von Schuberts Liedzyklus «Winterreise» genannt. Es ist sein bekanntestes, meistaufgeführtes Werk, mit dem er auch Hörer außerhalb des Avantgarde-Zirkels erreicht. Es war nicht die erste Bearbeitung dieser «schauerlichen Lieder» (wie Schubert sie selbst bezeichnete), und es sollte auch...
