Lebenslügen
Eine Krankheit verbreitet Schrecken und Tod. Ist eine Oper zu diesem Thema das Stück der Stunde? Nein, und gottlob versucht in Braunschweig auch niemand, zwanghaft eine Parallele zwischen AIDS und dem Corona-Virus zu ziehen. Dass bei der zweiten Vorstellung von Eötvös’ «Angels in America» dennoch ziemlich viele Plätze leer bleiben, ist wohl eher auf die altgediente Skepsis gegen (vermeintlich) neue Klänge und Themen zurückzuführen.
Die wenigen «gesetzteren» Besucher bekundeten an diesem kurzweiligen und anregenden Abend indes Neugier, auch das Gros der 14- bis 15-jährigen Schüler blieb weitgehend bei der Stange. Herausgefordert wurden die digital gestählten Jugendlichen vermutlich weniger von den erotischen Themen dieser Homosexuellen-Oper, als vielmehr durch die Verhandlungen über das Jenseits, von dem die singenden Engel in (und aus) Amerika hier berichten.
Peter Eötvös hatte vor einem guten Vierteljahrhundert aus Tony Kushners prallem Theaterstück «Angels in America» ein verdichtetes Musiktheater gebaut, das dennoch nicht ganz so oft nachgespielt wurde wie die (ebenfalls prominent verfilmte) Vorlage. Dass diese Partitur Substanz besitzt, ist jetzt in Braunschweig beispielhaft ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Rainer Wagner
Was tun, wenn das Herz verwundet ist, jede Hoffnung dahin und die Insel der Glückseligen nurmehr ein verdorrter Ort der Einsamkeit? Alcina, bis zu diesem Augenblick unumschränkte Herrscherin des Eilands, weiß sich keinen anderen Rat, als ihren Schmerz in eine der anrührendsten Arien zu kleiden, die Georg Friedrich Händel je komponierte – das Andante Larghetto «Ah,...
Wenn es nach Barrie Kosky geht, schlägt das Herz der Komischen Oper künftig im Dreidrittel-Takt. «Wir sind in einer der besten Locations in der Mitte Berlins», sagt der Intendant. «Das bedeutet, wir müssen hier eine durchdachte architektonische Dramaturgie entwickeln. Bei der erzählen wir zwei Geschichten aus der Vergangenheit und eine aus der Zukunft.» Hier...
Nach dem spektakulären Erfolg seiner Indianer-Oper «Il Guarany» an der Scala wurde der brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes, der 1864 zum Studium nach Mailand gekommen war und dort bald in Kontakt mit der Gruppe der Scapigliati um Arrigo Boito trat, als ein potenzieller Nachfolger Giuseppe Verdis gehandelt, der sich nach der «Aida» zurückziehen wollte....
