Als Drama ernst genommen
Das kommt vor und leider viel zu selten: dass man ein Stück, das man unzählige Male gehört hat und genau zu kennen glaubt, plötzlich wie zum ersten Mal und ganz neu erlebt. Mir ging es jetzt so mit einem Rundfunk-Mitschnitt des «Trovatore» aus der New Yorker Met von 1947, von dem ich mir allenfalls ein Stimmenfest erwartet hatte. Doch schon nach wenigen Minuten wurde mir bewusst, hier nicht den gewohnten fetzigen Opernreißer zu hören, sondern ein wirkliches Musikdrama, das auf den Verdi der «Aida» und des «Otello» vorausweist. Das machte mich neugierig auf den Dirigenten.
Er heißt Emil Cooper und gehörte zu dieser Zeit zum «Inventar» der Metropolitan Opera. Da hatte er schon eine lange Karriere hinter sich. 1877 als Emil Albertovich Kuper in Russland geboren, ging er nach Anfängerjahren mit dem jungen Fjodor Schaljapin auf Welttournee, leitete 1909 die Uraufführung von Rimsky-Korsakows «Der goldene Hahn» und emigrierte 1924 in den Westen. Einige Jahre hatte er eine Chefposition in Chicago inne.
Was ist so anders an seinem «Trovatore»? Zunächst einmal gesteht er dem Orchester, das in dieser Oper gemeinhin nur eine begleitende oder befeuernde Funktion hat, eine zentrale ...
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Achim Freyer, der große Bühnenkünstler und Maler, zeigt in seiner gleichermaßen verstörenden wie beeindruckenden Mannheimer Inszenierung von Verdis «La traviata», warum uns bei diesem Stück immer die Tränen kommen. Er hat Verdis Musik genauer gelesen, als wir sie bisher zu kennen meinten, und hinter dem Vergnügungstrubel der Pariser Gesellschaft die Leere, hinter...
Giovanni Carestini (1700-1760) verfügte, wie Zeitgenossen berichteten, nicht nur über einen traumhaft schönen Sopran von einzigartiger Kultur und Reinheit. Der Kastrat war auch ein leidenschaftlicher Schauspieler voll szenischer Fantasie und Ambition. Seine Verkörperungen rührten das Publikum zu Tränen. Das dürfte den Countertenor Philippe Jaroussky gereizt...
Anita Cerquetti war eine der rätselhaftesten Erscheinungen der Operngeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst zwanzigjährig debütierte sie 1951 als Aida in Spoleto, arbeitete sich in den folgenden Jahren mühsam durch die Provinzen in die erste Reihe vor und hatte ihre große Stunde, als sie im Januar 1958 nach dem skandalumwitterten «Norma»-Abbruch in Rom für die...
