Auf Leben und Tod

Augsburg, Mozart: Die Entführung aus dem Serail

Opernwelt - Logo

Mozarts «Entführung» 1:1 auf die Bühne zu bringen, verbietet sich heute fast von selbst. Das Konfliktpotenzial dieses vermeintlichen «Singspiels» gilt es zu schärfen, sei es durch ironisch-theatralische Doppelung der Sänger (Hans Neuenfels in Stuttgart), die Einführung ­einer modernen türkischen Erzählerin (Martin Duncan in München) oder Überhöhung zur virtuosen, bildmächtigen Menschheits-Parabel (Stefan Herheim in Salzburg).


Tatjana Gürbaca ging puristischer ans Werk, las Par­titur und Text sehr genau und verstörte doch das Augsburger Premierenpublikum mit einer noch vor der Ouvertüre eskalierenden Eifersuchtstragödie unter sieben Jugendlichen von heute. Die bereits hier einsetzenden Buhrufe ließen keine störungsfreie Aufführung erwarten. Doch blieb es im Zuschauerraum erstaunlich ruhig, bis am Ende die Explosion des Stücks unter die Haut fuhr: Zum vermeintlichen Happy-End lärmte der Janitscharen-Chor vom Band, die Protagonisten stürmten in den hell erleuchteten Zuschauerraum, während auf der Bühne unter Arbeitslicht in Windeseile abgebaut wurde.
Tatjana Gürbaca hat die Vorgeschichte auf die Spitze getrieben: Belmonte hat Selim die Geliebte ausgespannt (im Original «raubt» sie der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Klingende (Alp)Träume

Dass Märchen nicht nur kleine, sondern auch große Kinder angehen, wissen wir spätestens seit Freud. Schon die Romantik hatte den mythischen Mehrwert jener im gemeinen Volk kursierenden Traumgeschichten im Blick, in denen die psychoanalytische Theorie später Bilder des Vor- und Unbewussten entdecken sollte. Was man sich von schönen Nixen, bösen Hexen und faulem...

Leuchtspur des Inneren

Achim Freyer, der große Bühnenkünstler und Maler, zeigt in seiner gleichermaßen verstö­renden wie beeindruckenden Mannheimer Inszenierung von Verdis «La traviata», warum uns bei diesem Stück immer die Tränen kommen. Er hat Verdis Musik genauer gelesen, als wir sie bisher zu kennen meinten, und hinter dem Ver­gnügungstrubel der Pariser Gesellschaft die Leere, hinter...

Klassik aus dem Internet

Als vor einem Vierteljahrhundert die Langspielplatte von der Compact Disc abgelöst wurde, waren nicht wenige Klassikkunden der Vinyl-Generation scho­ckiert. Die Vorbehandlung der schwar­zen 33-Zentimeter-Scheiben mit Antistatiktuch, das Aufsetzen der Nadel, die stille Rotation des schweren Plattentellers, der Seitenwechsel – all das hatten die Aficionados der...