Die Fantasien sind frei
Zweimal eine Staatstheater-«Carmen» im Abstand von 170 Kilometern Luftlinie, zwei ehrgeizige Ansätze: der eine spektakulärer, der andere näher dran. Beide Abende, so unterschiedlich sie sind, blenden das Thema Tod so weit aus, wie es möglich ist, wenn in einer Oper alles auf den Tod hinausläuft. Und weder da noch dort, das ist konsequent, wird es auch nur für einen Moment still, wenn der Torero Bizets Gassenhauer singt, der doch im Zusammenhang seine existenzielle Wucht zurückgewinnen kann. Einmal denkt Carmen im Übrigen gar nicht daran, sich umbringen zu lassen.
Die spektakulärere Variante ist am Staatstheater Kassel zu erleben. Das liegt vor allem an der Eröffnung der «Antipolis», der neuen Zuschauerinstallation, die in den Theaterraum hineingebaut wurde. Wie ein riesiges bestuhltes Baugerüst auf drei Ebenen rahmt sie Hauptbühne und Seitenbühnen (herkömmliche Saalplätze gibt es aber auch). In der Mitte eine Fläche, auf der vor dem Orchester gespielt werden kann, weitere Spiel -nischen gibt es in der Installation. Es braucht Bildschirme, Kameraleute sind unterwegs. Dass auch der Gesang teils (dezent) verstärkt wird, dürfte unvermeidlich sein. «Antipolis» ist die weit opulentere ...
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Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Im Fokus, Seite 20
von Judith von Sternburg
Die Tonart verheißt wenig Gutes. h-Moll, das klingt nach Unheil, nach Verderben, sogar nach Tod. Und all dies fürchten die Hebräer, denen man zuvor die Freiheit geraubt hat. Aus den Lamellen schleichen sie nun herein, barfüßig, bangen Blickes, die Körper geduckt, die Hände gen Himmel gereckt, als breiige Masse, gekleidet in schwarze Traueranzüge, unter denen sich...
Mit diesem Album schließt Reinoud Van Mechelen seinen faszinierenden Überblick über die Entwicklung der haute-contre-Stimme in der französischen Barockoper ab. Die erste Folge galt 2018 Louis Gaulard Dumesny, dem vom Koch zum Star der Pariser Opéra aufgestiegenen Protagonisten Lullys am Ende des 17. Jahrhunderts. Die zweite Folge war 2020 Pierre de Jéliote...
Italo Montemezzi wurde vom Klima der Verismo-Oper geprägt und blieb ihr stets verbunden, auch wenn er seinen kulturellen Horizont erweiterte. Bei der Orchestrierung orientierte er sich hauptsächlich an den Lehren Wagners, in geringerem Maße an denen Debussys. Von seinen sieben Bühnenwerken wird nur «L’amore dei tre re» (Die Liebe zu den drei Königen) von Zeit zu...
