Im goldenen Käfig

Delibes: Lakmé an der Oper Straßburg

Opernwelt - Logo

Blumen-Duett» und «Glöckchen-Arie»: Zwei populäre Nummern aus Léo Delibes’ «Lakmé» behaupten sich auch in den einschlägigen Internet-Musikkanälen. Im Gegensatz zur Oper, die zumal im deutschsprachigen Theater ein Schattendasein fristet. Schwülstige «exotische Idylle» à la française? Jetzt könnte die Zeit reif sein für einen neuen Blick auf «Lakmé». Thematisiert die Handlung im Grunde doch nicht unkritisch den britischen Kolonialismus im Indien dieser Zeit. Und die Abnabelung einer jungen Frau, der Titelfigur, von ihrem Vater, dem Brahmanen Nilakantha.

Der seine Tochter vergöttert, ja geradezu vergöttlicht und sie deshalb von allem abschirmt, was er hasst – zum Beispiel den englischen Kolonialherren, die seine Kultur und Religion missachten.

Laurent Pellys Inszenierung an der Opéra national du Rhin setzt an dieser Stelle an. Pelly ignoriert die kolonialen Verwerfungen und die Brüche durch die Dialoge in der Handlung zwar nicht – die englische Personnage im Stück karikiert der Regisseur als sein eigener Kostümbildner mit großer Lust am prüden, grauen Viktorianismus. Doch weit wichtiger ist ihm jenes Mädchen Lakmé, das von seinem Vater als göttliche Erscheinung in einem riesigen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Früchte des Zorns

Die Tonart verheißt wenig Gutes. h-Moll, das klingt nach Unheil, nach Verderben, sogar nach Tod. Und all dies fürchten die Hebräer, denen man zuvor die Freiheit geraubt hat. Aus den Lamellen schleichen sie nun herein, barfüßig, bangen Blickes, die Körper geduckt, die Hände gen Himmel gereckt, als breiige Masse, gekleidet in schwarze Traueranzüge, unter denen sich...

Immerwährende Liebe

Im späten 19. Jahrhundert hat sich das Orchesterlied vom klavierbegleiteten Sololied getrennt und als eigenständige Gattung etabliert. Das kammermusikalische Lied dagegen ist stets ein subversiver Solitär geblieben, dessen formale Abweichungen sich auf keinen Nenner bringen lassen. Dies belegen drei völlig unterschiedliche Lied-Opern, die Barbara Hannigan und das...

Hinreißendes Vermächtnis

Seine letzte Oper sollte eine lustige sein – so der ausdrückliche Wunsch des belgischen Komponisten Philippe Boesmans, den er Freunden im Februar 2022, rund zwei Monate vor seinem Tod, mitteilte. Nach all jenen Tragödien, die er bis dahin geschrieben habe, vor allem nach «Julie» auf Strindberg, wolle er mit totaler Leichtigkeit (légèreté) und Nachlässigkeit (insouc...