Gestisch prägnant

Hervé Niquet rehabilitiert Glucks letzte Pariser Oper «Écho et Narcisse» in einer überzeugenden Neueinspielung

Opernwelt - Logo

Glucks letzte für Paris geschriebene Oper «Écho et Narcisse» war nach fünf vorausgegangenen Triumphen ein schneidender Misserfolg. Das am 24. September 1779 an der Académie Royale de Musique uraufgeführte Drame lyrique entsprach so gar nicht den Erwartungen, mit denen man vier Monate nach der triumphalen Premiere von «Iphigénie en Tauride» einem neuen Werk des Opernreformers entgegenfieberte; es wurde nach zwölf Vorstellungen abgesetzt. Auch der Neufassung erging es im August 1780 nicht besser.

Statt einer Tragödie sah man ein allegorisches Hirtengedicht – eine elegische Pastorale, aber kein Seelendrama, wie man es von Gluck gewohnt war. Einzig der für die Balletteinlagen zuständige Choreograf Jean-Georges Noverre rühmte «den Reiz, die Schönheit und die Grazie» des Werks.

Wer die glänzende Neuaufnahme Hervé Niquets hört, ohne sich sonderlich für die auf Ovids «Metamorphosen» zurückgehende Handlung zu interessieren, erlebt ein intimes Traumspiel voll schwelgerischer Klänge und empfindsamer Anmut. Das knapp 100-minütige Werk lebt von der Schönheit seiner Melodien, dem verschwenderischen Zauber seiner Instrumentation und den bildhaften Zwischentönen und farbkräftigen Schattierungen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Sie war einfach unverwechselbar

Diva, Mythos, Skandalfigur oder vielleicht doch ein Opfer der Umstände? Wer sich mit Maria Callas beschäftigt, kann sich aussuchen, welchen Zugang er sich in der inzwischen schon kaum mehr übersehbaren Literatur wählt. Eva Gesine Baur, ihre letzte deutsche Biografin (siehe OW 8/2023), hielt es mit dem voyeuristischen Blick durchs Schlüsselloch und kehrte einmal...

Kleine, große Welt

Das Café Central, lesen wir bei Alfred Polgar, sei «kein Caféhaus wie andere Café-häuser, sondern eine Weltanschauung, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschauen». Auf der Bühne des Musiktheaters an der Wien im Museumsquartier sieht man jedenfalls genau das Café Central. Mit großer Liebe zum Detail hat Silke Bauer das altehrwürdige,...

Tohuwabohu

Und darum ist ja ewig dieser Wirrwarr von Einst und Jetzt und Später in dir» – das wird Anatol von seinem Freund Max in Arthur Schnitzlers Schauspiel «Anatol» von 1892 vorgehalten. Von Schnitzler zu Hugo von Hofmannsthals «Rosenkavalier»-Dichtung vergehen wenige Jahre, 1911 wird sie als «Komödie für Musik» von Richard Strauss uraufgeführt.

Der Begriff «Wirrwarr»...