Struktur, Bild, Stimme
Der Avantgarde der 50er- und 60er-Jahre waren Emotionen, Inhalte, Bildlichkeit eher suspekt: Symptome einer ästhetisch wie politisch korrumpierten Nachromantik. Struktur hieß das neue Zauberwort. Wertfrei, pure Materialorganisation sollte Musik sein, jegliche Assoziation an Tradition galt als verwerflich. In Darmstadt oder Donaueschingen wurde denn auch Hans Werner Henze, dem an Theater wie Vokalität lag, in Acht und Bann getan. Die Zeiten starrer Dogmatik sind freilich lange passé, manche Tabus aber sind geblieben.
Eines scheint nach wie vor auf der Stimme zu liegen.
«Singen, das ist die Manifestation des Lebens schlechthin», hatte Henze deklariert. Und Helmut Lachenmann bekundete: «In der Stimme liegt ein tonaler Rest.» Vokalität im Sinne ausdeutender, narrativer, gar kantabler Textkomposition spielte in seiner Musik kaum eine Rolle. Bei Nono wie Boulez wird die Singstimme hauptsächlich syllabisch behandelt. Selbst in Nonos «Canto sospeso» auf Abschiedsbriefe zum Tode verurteilter Widerstandskämpfer steht der Wortsinn keineswegs im Vordergrund: Das Schweben der Stimmen im Raum war ihm wichtiger als der semantische Transport. Vollends hat Dieter Schnebel in einigen Werken Sprache ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Gerhard R. Koch
Im internen Ranking der Verdi-Opern nach Aufführungshäufigkeit steht «Macbeth» nicht ganz oben. Die letzte Neuproduktion der Wiener Staatsoper vor jener heiß umstrittenen durch Vera Nemirova im Dezember 2009 stammte aus dem Jahr 1982. Und jetzt, nach bloß sechs Jahren (und knappen fünf unter Dominique Meyer) bereits wieder eine Neuinszenierung. Warum? Weil die der...
Für große Inszenierungen braucht es keine großen Bühnen. Ein Mann steht hinterm Herd, schwarzes T-Shirt, Schürze. Konzentriert schneidet er am Gemüse. Schnitt für Schnitt verwandelt er gelbe Karotten in elegante Würfel, und wie er das macht, ist ein kleines Kunststück: Jede Bewegung scheint bedächtig, fast ein chirurgischer Schnitt, aber das Ergebnis ist der Beweis...
Fast ist es nun komplett, das monumentale, auf sechs Bände angelegte Beethoven-Handbuch im Laaber Verlag. Auf die ersten vier, im Wesentlichen nach Gattungen geordneten Bände soll ein Buch über «Beethovens Welt» folgen. Das abschließende Lexikon ist als Erstes erschienen und liegt bereits seit 2008 vor. Dem jüngst veröffentlichten Band über Beethovens Vokalmusik...
