Arme Amina

Bellini: La sonnambula München / Prinzregententheater

Etwas könnte dem Team des Gärtnerplatztheaters schon passieren. Nach Beendigung des Exils, nach all dem Vagabundieren durch die Münchner Ausweichspielstätten, nach dem Wiederbezug des renovierten Stammhauses (wohl im Herbst 2016), könnte sich all das Adrenalin plötzlich verflüchtigen. Jenes Stresshormon, das derzeit für einen Kreativschub nach dem anderen sorgt. Das Publikum der weißblauen Volksoper hat sich auf die Dauerprovisorien jedenfalls eingestellt und darauf, dass unter Intendant Josef E.

Köpplinger Verlässliches serviert wird: Handwerk, das die Werke – mal mehr, mal weniger ambitioniert – als intelligente Unterhaltung erzählt.

Auch die Produktion von Vincenzo Bellinis «La sonnambula» trotzt dem Stück keine neuen Erkenntnisse ab. Auf den ersten Blick sieht es im Prinzregententheater sogar danach aus, als werde hier, im Ockerlicht der 70er-Jahre, Opas Oper reanimiert. Dazu gibt es eine detailliert gepuzzelte Biedermeier-Kostümorgie (Ausstattung: Andreas Donhauser, Renate Martin) und operettiges Augenzwinkern. Letzteres, das ist auch schon der einzige Einwand gegen Michael Sturmingers Inszenierung, wirkt unangemessen angesichts einer Psychostudie, die ein Vierteljahrhundert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Drahtig, federnd

André Campras «Tancrède», 1702 an der Pariser Oper uraufgeführt und für einige Jahrzehnte ein Erfolgsstück, stellt aus heutiger Sicht ein Bindeglied zwischen den Opern Lullys und Rameaus dar. Der rezitativische Deklamationsstil der noch jungen französischen Oper verbindet sich hier mit dem Melodienreichtum der Italiener. Das Libretto greift eine Episode aus Tassos...

Nachdenken über den Schalk aus Pesaro

Rossini – «eine mediterrane Frohnatur»? Mitnichten: «Tatsächlich war [er] jahrzehntelang ein schwerkranker Mann.» Arnold Jacobshagen unterzieht in seinem Rossini-Buch viele lieb gewordene Mythen einer kritischen Überprüfung, mal systematisch (wenn er sich den verschiedenen Operngattungen in Rossinis Werk und später dessen möglichen Vorbildern widmet), mal...

In Schönheit sterben

Die Frage stellt sich immer wieder: Kann man Händels Oratorien als Musiktheater behandeln? Oder sind sie doch auf der Konzertbühne besser aufgehoben? Dass seine späten Werke – und dazu gehört «Theodora» – bühnentauglich sind, bewies Peter Sellars 1996 in Glyndebourne auf unvergessliche Weise. Die biblische Erzählung wurde bei ihm zum allgemeingültigen Drama. Dawn...