Arme Amina

Bellini: La sonnambula München / Prinzregententheater

Opernwelt - Logo

Etwas könnte dem Team des Gärtnerplatztheaters schon passieren. Nach Beendigung des Exils, nach all dem Vagabundieren durch die Münchner Ausweichspielstätten, nach dem Wiederbezug des renovierten Stammhauses (wohl im Herbst 2016), könnte sich all das Adrenalin plötzlich verflüchtigen. Jenes Stresshormon, das derzeit für einen Kreativschub nach dem anderen sorgt. Das Publikum der weißblauen Volksoper hat sich auf die Dauerprovisorien jedenfalls eingestellt und darauf, dass unter Intendant Josef E.

Köpplinger Verlässliches serviert wird: Handwerk, das die Werke – mal mehr, mal weniger ambitioniert – als intelligente Unterhaltung erzählt.

Auch die Produktion von Vincenzo Bellinis «La sonnambula» trotzt dem Stück keine neuen Erkenntnisse ab. Auf den ersten Blick sieht es im Prinzregententheater sogar danach aus, als werde hier, im Ockerlicht der 70er-Jahre, Opas Oper reanimiert. Dazu gibt es eine detailliert gepuzzelte Biedermeier-Kostümorgie (Ausstattung: Andreas Donhauser, Renate Martin) und operettiges Augenzwinkern. Letzteres, das ist auch schon der einzige Einwand gegen Michael Sturmingers Inszenierung, wirkt unangemessen angesichts einer Psychostudie, die ein Vierteljahrhundert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Der ganz normale Wahnsinn

Frau Rae, Frankfurt war Ihr Erstengagement, seitdem sind Sie dort. Hatten Sie das so geplant?
Ich dachte erst, ich bleibe nur zwei oder drei Jahre. Intendant Bernd Loebe und ich sprechen jedes Jahr miteinander, um zu entscheiden, welche Partien richtig und wichtig für mich sind. Und so ging es immer weiter. Es ist gut, ein solches Zuhause zu haben. Wenn man nur...

Mit Schillerlocke

The Story of Semele», das 1744 uraufgeführte Oratorium Händels, hat seit 1925 den Weg auf die Opernbühne gefunden, und neuerdings wird es mindestens einmal jährlich neu inszeniert. Nicht einmal Spezialisten wussten aber von einer merkwürdigen Aufführung im Schiller-Jahr 1905. Christiane Wiesenfeldt rekonstruiert im neuesten Band der «Göttinger Händel-Beiträge» eine...

Hirngespinste

Kleingeistige Tyrannen, Odalisken, Harems, grausame Bestrafungen und dergleichen mehr wurden – als Versatzstücke einer dem Exotismus huldigenden Kunst – bereits seit Rossinis «L’italiana in Algeri» verspottet, als Verdi sich mit «Il corsaro» (1848) zum zweiten Mal einer Vorlage Lord Byrons widmete. Nach den politisch aufgeladenen «Due Foscari» (1844) geriet die...