Der Überläufer
Anfangs hatte es Iko Freese mit der Oper nicht leicht. «Ich war ein Theaterjunkie, sagt er lachend, «und vom Schauspiel kommend fand ich sehr befremdlich, was die Sänger auf der Opernbühne machten. Keiner bewegte sich, es wurde viel herumgestanden, es ging nie um authentische Emotionen. Ich habe es gehasst, wenn mich ein Auftraggeber in die Oper schickte. Die Musik war fantastisch, aber sonst habe ich mich schrecklich gelangweilt.
» Inzwischen ist die Beziehung eingerenkt – und mehr als das: Heute arbeitet Freese, auch aus logistischen Gründen, fast ausschließlich für die Komische Oper Berlin. «Das Schauspiel habe ich ganz zurückgefahren. Die Oper gebe ich niemals auf.»
Knapp zehn Jahre war Freese fester Hausfotograf am Deutschen Theater in Berlin. «Dabei habe ich mich so verschlissen, dass ich ein bisschen Erholung brauchte.» Neben seinen eigenen Bildern hat er verstärkt Arbeiten anderer Fotografen im Angebot: Seit etwa 20 Jahren führt Freese die Agentur Drama Berlin, die einen Schatz von mehreren Millionen Theater- und Opernfotos verwaltet. «Viele Kollegen tun sich sehr schwer, ihre analogen Fotos unter die Leute zu bringen» – das heißt: zu digitalisieren, zu betexten, die Rechte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Das Theaterfoto, Seite 54
von Florian Zinnecker
Entwickelt sich die Karriere nicht wie erhofft, suchen die Stars nach Auswegen – Rolando Villazón schreibt Romane, José Cura dirigiert, beide inszenieren. Dass der Hype um Cura noch funktioniert, zeigt die Begeisterung des Publikums an der Oper Bonn, wo der einst voreilig zum «Tenor des 21. Jahrhunderts» hochgejubelte Sänger ein gern gesehener Gast ist. Jetzt hat...
Händels Heldinnen, die Mutterrollen ausgenommen, sind anders. Sie sind autarker, stärker, stolzer als all jene Besiegten, Verratenen und Verkauften, die Catherine Clément einst besang (und dies mit der steilen These verband, die Oper sei ein Ort, an dem die Vernichtung der Frau beinahe ritualhaft zelebriert werde). Sind erhaben wie Rodelinda, widerborstig wie...
Opern hat er kaum dirigiert. «Zauberflöte», «Entführung», «Fidelio», «Euryanthe», «Eugen Onegin», «Pelléas et Mélisande» – das war’s. Dennoch ist Herbert Blomstedt zutiefst geprägt von der vokalen Tradition. Sein Studium der Chorleitung und der Besuch einer Kantorenklasse bewirkten in Verbindung mit Schwedens Chortradition, dass ihm in jungen Jahren der Gesang als...
