Abgesoffen
Entwickelt sich die Karriere nicht wie erhofft, suchen die Stars nach Auswegen – Rolando Villazón schreibt Romane, José Cura dirigiert, beide inszenieren. Dass der Hype um Cura noch funktioniert, zeigt die Begeisterung des Publikums an der Oper Bonn, wo der einst voreilig zum «Tenor des 21. Jahrhunderts» hochgejubelte Sänger ein gern gesehener Gast ist. Jetzt hat er sich dort in Benjamin Brittens «Peter Grimes» erneut als Ich-AG präsentiert, indem er nicht nur in der Titelpartie debütierte, sondern auch noch für Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme verantwortlich zeichnete.
Mit einem dem Wachturm in Brittens Aldeburgh nachempfundenen multifunktionalen Wohnhaus und historischen Kostümen auf der Szene geht es recht naturalistisch zu – und das kommt inzwischen wieder an. Angeklebte Seemannsbärte und ein echtes Fischerboot allein bürgen aber weder für Werktreue noch für Authentizität. In Bonn wirkt das so altbacken und bieder wie Curas harmlose Sicht auf Brittens abgründiges Meisterwerk. Sein Grimes ist kein Outcast, sondern ein introvertierter Eigenbrötler; die ihn mobbenden, in den Wahnsinn treibenden Bewohner des Boroughs geben sich als pittoreskes Völkchen, das sich zum aufkommenden ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Uwe Schweikert
Eigentlich haben sie nichts miteinander zu tun, Erich Wolfgang Korngolds Jugendwerk «Der Ring des Polykrates» von 1916 und Mieczysław Weinbergs Oper «Wir gratulieren» (1983) – außer dass ihre Schöpfer jüdischer Herkunft waren und ins Exil gezwungen wurden. Beide Male handelt es sich um Beziehungskomödien mit stark schwankhaften Zügen. Weinbergs anderthalbstündiger...
Pforzheim feiert, mit gutem Grund. Man begeht den 250. Jahrestag der Eröffnung einer Uhrenmanufaktur. Lange Zeit war die Stadt im Schwarzwald ein Zentrum der Schmuckproduktion. Doch die meisten Jobs in dieser Industriesparte wurden seit den 1980er-Jahren abgebaut. Die Arbeitslosenquote ist die höchste in Baden-Württemberg.
Das hat Auswirkungen auch auf das...
Anfangs hatte es Iko Freese mit der Oper nicht leicht. «Ich war ein Theaterjunkie, sagt er lachend, «und vom Schauspiel kommend fand ich sehr befremdlich, was die Sänger auf der Opernbühne machten. Keiner bewegte sich, es wurde viel herumgestanden, es ging nie um authentische Emotionen. Ich habe es gehasst, wenn mich ein Auftraggeber in die Oper schickte. Die Musik...
