Die geistige Dimension der Musik
Opern hat er kaum dirigiert. «Zauberflöte», «Entführung», «Fidelio», «Euryanthe», «Eugen Onegin», «Pelléas et Mélisande» – das war’s. Dennoch ist Herbert Blomstedt zutiefst geprägt von der vokalen Tradition. Sein Studium der Chorleitung und der Besuch einer Kantorenklasse bewirkten in Verbindung mit Schwedens Chortradition, dass ihm in jungen Jahren der Gesang als Grundmuster allen Musizierens aufging. «Seither singe ich sehr gerne, wenn auch nicht gut», gesteht der praktizierende Adventist Blomstedt. «Man muss auch die Instrumente spielen, als wenn man singt.
»
Lange Jahre in Dresden und Leipzig bestätigten ihm diese Auffassung; die besondere Qualität von Staatskapelle und Gewandhausorchester sei auch darauf zurückzuführen, dass viele Musiker beim Kreuzchor und bei den Thomanern ein natürliches Phrasieren gelernt haben. Blomstedt spricht gern von seiner Zeit in der DDR, von jener existentiellen Unbedingtheit und ungeheuren Disziplin, mit der sich Dresdens Staatskapelle auf die Musik stürzte, um den Zwängen des politischen Alltags zu entgehen. Das Leipziger «Projekt» ab 1998 stand hingegen unter gänzlich anderen Vorzeichen. Blomstedt musste das Personal behutsam verjüngen, bemühte ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Volker Tarnow
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