Zeitlos modern
Wozzecks weißes Hemd scheint frisch gewaschen. Nur der Overall, den er darüber trägt, grenzt ihn von den hier den militärischen Ton angebenden Herren, denen er zu dienen hat, ab. Naturalistisches Dekor des Prekären und der sozialen Ungleichheit aber braucht Brigitte Fassbaender im aufgeräumten Bühnenbild von Bettina Munzer mitnichten, einem zwischen Hotelhalle und Kaserne changierenden Raum der Öffentlichkeit mit allerhand Türen und Toren.
Stattdessen durchleuchtet sie die Mechanismen, mit denen Menschen andere Menschen erniedrigen, sie in Abhängigkeit zu sich bringen, um sich damit doch nur selbst zu erhöhen. Schnörkellos und unsentimental führt uns Fassbaender Wozzecks Schicksal vor Augen. Just in der Kunst des Weglassens und der Verdichtung entfaltet sie eine maximale narrative Intensivierung.
Zwei Requisiten, zwei zentrale Zeichen von Abhängigkeit und Gewalt, erscheinen im «Wozzeck» sonst als nahezu unverzichtbar; doch die Regisseurin, die einst Sängerin war, braucht sie nicht, sie ersetzt sie einfach durch szenische Genauigkeit und die Präsenz des Ensembles: Erstens ist dies das Geld, das Wozzeck («Wir arme Leut») fehlt, zweitens ist es das Messer, mit dem er seine Marie am ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Peter Krause
Wer Neapel verstehen, seinen Duft einsaugen, sein genuines Flair erspüren will, sollte Elena Ferrante lesen. In ihren Romanen, insbesondere in der vierbändigen, dem literarischen Realismus verpflichteten «Neapolitanischen Saga», entwirft die pseudonyme italienische Autorin ein Panorama der süditalienischen Stadt, dessen Vielfarbigkeit schlichtweg betört; auch die...
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Obermüller/Gilbert, Malina: 6., 25.
- Puccini, Suor Angelica: 7. (P) ML: Handschuh, I: Bartsch - Tschaikowsky, Eugen Onegin: 14.
- Bartók, Herzog Blaubarts Burg: 21. (P), 28. ML: Ward -...
Der Horror einer Gespenstergeschichte stellt sich meist ein, wenn das Unheimliche real wird. So auch in Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw»: Die Geister Peter Quint und Miss Jessel werden Wirklichkeit, weil sie singen. In der literarischen Vorlage von Henry James haben sie keine Stimmen, und es bleibt offen, ob sie reine Projektionen der Governess sind, die...
